Kritik

Miniserie „ÜberWeihnachten“ bei Netflix: Luke Mockridge feiert mit Klischees

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Worum es in der dreiteiligen Netflix-Miniserie geht, verrät bereits der Titel: Weihnachten eben. Genauer: den ganz normalen Weihnachtswahnsinn. Im Fokus steht Bastian (Luke Mockridge), der über die Feiertage in seine Heimat zurückkehrt. Das Jahr verlief nicht sehr prickelnd für ihn. Das Beziehungs-Aus ist immer noch nicht verkraftet und Berlin hält für ihn doch nur Callcenter-Jobs und nicht, wie erhofft, die steile Musikerkarriere bereit.

Umso größer ist die Vorfreude auf das Fest. Raus aus dem Großstadtdschungel, rein ins heimische Eifelstädtchen. Doch statt Harmonie erwartet ihn zu Hause ausgerechnet seine Ex-Freundin Fine (Cristina do Rego) – und die ist frisch verliebt in seinen Bruder Niklas (Lucas Reiber). Und auch sonst hängt der Haussegen diesmal ordentlich schief bei Familie Kollinger.

Weihnachten als Mockridge-Show

ÜberWeihnachten | Offizieller Trailer | Netflix auf YouTube ansehen
Schon der Deutsche-Bahn-Witz am Anfang der Serie macht deutlich, dass hier nicht an Klischees gespart wird. „ÜberWeihnachten“ erzählt die typischen Geschichten vom Kartoffelsalat mit Würstchen, vom Plätzchen backen und dem Krippenspiel. Alles verpackt in einen kunterbunten Mix aus Familiendrama, Rom-Com und Coming-of-Age-Film.

Gleichzeitig ist die Miniserie ein ausdrückliches Luke-Mockridge-Produkt. Als Co-Produzent steht er Regisseur Tobi Baumann („Der WiXXer“, „Vollidiot“, „Pastewka“) zur Seite. Leider wird immer wieder der Bezug zu Mockridges Comedian-Dasein („Luke! Die Greatnightshow“ oder „Luke! Die Schule und ich“) hergestellt. Die Witze sind ähnlich, die Klavier-Einlagen kommen bekannt vor. Die Krux von Celebrities, die sich bereits vor dem Schauspielen in einem anderen Feld einen Namen gemacht haben und fortan immer mit einem gewissen Image im Hinterkopf wahrgenommen werden. Aber zurück zur Geschichte.

Weiter gehts im Weihnachtssprint

Bastian rettet sich für Ablenkung in die Dorfkneipe und trifft Freund*innen von damals. Mehr als vom Eifelbier, gibt es nur Gesangseinlagen. In jeder Folge, übrigens. Und: Hurra. Bastian küsst – um das Verwirrspiel komplett zu machen – die Ex seines Bruders, Karin (Seyneb Saleh). Neben der neuen romantischen Wendung nehmen die vorweihnachtlichen Geschehnisse weiter zügig ihren Lauf. Stressige Einkäufe werden erledigt, Plätzchen werden im Altenheim mit Oma gebacken – und dabei bricht allmählich der schöne Schein.
Vor allem Papa Walter (Rudolf Kowalski) und seine Frau Brigitte (Johanna Gastorf) scheinen dieses Jahr einiges verschwiegen zu haben. Loser-Typ Bastian lässt ihren Puls noch mehr in die Höhe steigen, wenn er im Trash-Shirt zwischen Blusen, Hemden und Pullundern am Esstisch sitzt.
Wer jedoch mit Charme und wunderbar übertriebenen Allüren heraussticht, ist Oma Hilde (Carmen-Maja Antoni). Sie ist genervt vom jährlichen Gang in die Kirche, treibt das gewonnene Pokergeld von Bastians altem Kumpel ein und will lieber Tinder statt große Tasten auf dem geschenkten Seniorenhandy.

Mehr Länge als Tiefe

Ansonsten plätschern die Szenen von einem weihnachtlichen Klischee ins nächste. Mit Authentizität hat das alles nichts zu tun. Auch die Dialoge wirken besonders in emotionalen Momenten holprig und erzwungen. Alles steht unter dem Motto: Hauptsache Harmonie. Selbst wenn unter der Fassade die Probleme lauern und es zu einem großen Showdown auf dem Marktplatz kommt – am Ende muss doch alles gut sein.

Insgesamt schafft es die Serie „ÜberWeihnachten“ nur ein lockeres, nett gemeintes Streamingprodukt zu sein, dass leider vor Klischees und abgenutzten weihnachtlichen Storyelementen nicht zurückschreckt. Dabei beruht das Drehbuch lose auf dem SPIEGEL-Bestseller „7 Kilo in 3 Tagen“ des „Neo Magazin Royale“-Autoren und Podcasters („Gefühlte Fakten“) Christian „Pokerbeats“ Huber. Doch hier wirkt die Geschichte von Bastians Weihnachtsrückkehr vor allem albern. Eine ambitioniertere Komödie wäre der Vorlage gerechter geworden, als ein unnötig gestreckter Dreiteiler mit einnehmender Starbesetzung.
„ÜberWeihnachten“ mit Luke Mockridge, seit 27. November auf Netflix im Stream verfügbar

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