Ministry: Bochum, Zeche

DIE ZEITEN HABEN SICH GEÄNDERT- UND wie. Anfang der 90er galten Ministry als ungekrönte Könige des Industrial-Rock, verkauften Millionen von Platten und füllten große Hallen. Ein paar Jahre, diverse Reha-Aufenthalte und zwei gefloppte Alben später ist von der einstigen Größe nicht viel übrig. AI Jourgensen und sein Sidekick Paul Barker müssen wieder auf Ochsentour durch verrauchte Clubs gehen. Dabei gibt es eine Art Ministry Light zu bewundern: ohne Lightshow, Effekte oder Totenschädel – eben ohne alles, was ihre Gigs zu Zeiten von „Psalm 69“ so aufregend machte. Sichtlich unmotiviert reißen AI und Paul – mit blondgefärbtem Haar und in engem Leder – ein knapp einstündiges Set runter,das lustloser kaum sein könnte. Erst werden Stücke vom neuen Album „Dark Side Of The Spoon“ dargeboten, dann gibt es ausgewählte Perlen ihres genialen Backkatalogs: „Burning Inside“, „Just One Fix“, „Thieves“,“So What“ und das frenetisch gefeierte Jesus Built My Hotrod“ – im Vergleich zum neuen Material ein Unterschied wie Tag und Nacht. Auch AI himself hat schon weitaus bessere Tage erlebt. Aus dem exzessiven Unikum ist ein Rock’n’Roll-Zombie geworden, der kaum noch gerade stehen kann, unverständlich ins Mikro lallt, immer wieder kurze Aussetzer hat und ein bißchen wirkt wie der Kerkermeister aus „Das Leben des Brian“. Auch der Rest der Truppe hat seinen Zenit deutlich überschritten. Ein animalischer Gitarrist malträtiert schwitzend seine Saiten, der Drummer liegt ständig neben dem Takt und ein weiterer Rhythmusgitarrist blickt wie gebannt auf seine Schuhe. Ein gespenstischer Abend, der diese einst so innovative Band in beklagenswerter Verfassung zeigt.

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