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MTV Special: „TOMMY LEE’S ROCK WEEKEND” und sein neues Album – Tommy Lee im Interview

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Als Drummer von Mötley Crüe wurde Tommy Lee berühmt – und veröffentlicht nun, 15 Jahre nach TOMMYLAND: THE RIDE, sein neues, drittes Soloalbum. Am 16. Oktober 2020 erscheint ANDRO, und dieses Wochenende findet ein „MTV Weekend“ zu Ehren des Musikers statt.

MTV widmet dem Leben des Musikers, der auf eine fast 40-jährige Karriere zurückblicken kann, also ein eigenes Wochenende. Beim „MTV WEEKEND SPECIAL: TOMMY LEES ROCK WEEKEND“, das vom 17. Bis 18. Oktober ausgestrahlt wird, geht es um Tommy Lee in allen Facetten – und natürlich das Beste von Mötley Crüe. Zwischen jeweils 6 und 19 Uhr werden Musikvideos aus Lees Karriere gezeigt. Wir sprachen mit dem Tommy Lee über männliche und weibliche Rollenbilder, HipHop und TikTok.

Tommy, wie geht es dir?
Super, super!

Bist du im gerade im Studio?
Das ist mein Studio, ich erledige solche Sachen wie Interviews am liebsten hier, weil es schallgeschützt ist und der leiseste Raum im Haus. Es ist gleichzeitig mein Home-Studio.

Dort, wo Du auch Du dein Album ANDRO aufgenommen hast?
Ja, alles wurde hier gemacht. Das einzige, was wir hier nicht machen, ist das Mastern, der finale Prozess eines Albums. Das überlassen wir den Mastering-Leuten, die darin wirklich gut sind. Die benutzen nochmal ein ganz anderes Set an Equalizern und Kompressoren. Aber alles wurde hier aufgenommen.

Im Promo-Text heißt es, Du wolltest „das beste Rock-Album ever“ machen. Hast Du das geschafft?
Das beste Rock-Album ever? (lacht) Es ist nicht mal ein reines Rock-Album, es ist mehr ein „Everything-Album“. Es gibt definitiv rockige Tracks, aber auch HipHop, etwas Industrial, Euro Dance Music. Gott, es gibt wunderschöne Sachen. Es hat einfach von allem etwas, und anders würde ich es auch nicht haben wollen.

Auf dem Album sind viele Rapper vertreten, wie Killvein, Mickey Avalon, Tyla Yaweh – Ist dir HipHop wichtiger als Rock?
Ich finde es fast merkwürdig, HipHop HipHop zu nennen. Der Stil ist so beliebt geworden, dass es für mich Pop ist. Es ist überall. Es geht nicht darum, ob es Rap oder HipHop ist, ich habe da keine Präferenz. Ich werde einfach von all den verschiedenen Styles und Klängen angesprochen. Als Schlagzeuger fühle ich mich zum poppigen HipHop-Kram hingezogen, weil er funkige Beats hat. Wenn ich Sachen komponiere, richte ich mich nach dem Beat, also klingen meine Sachen funkiger.

Du hast mit vielen verschiedenen Künstler*innen zusammengearbeitet für ANDRO. Wie hast du sie ausgewählt?
Ich habe eine Liste von Leuten, mit denen ich schon lange zusammenarbeiten möchte. Also, wenn ich Musik schreibe, und einen Song fertig habe, krieg ich gewöhnlich so eine Art Eingebung und denke mir „Oh, sie oder er wäre großartig dafür!“. Also melde ich mich bei den entsprechenden Künstlern und schicke ihnen die Musik und frage Sie, ob sie Bock auf eine Kooperation haben. Und nach ein paar Tagen rocken wir dann hier im Studio. Es ist cool mit der Technologie von heute, mit der man ein Album machen kann. Zwei der Künstler auf dem Album sind aus dem UK, und wir waren vorher noch nie im selben Raum. Es ist so cool, dass man das jetzt machen kann. Zukünftig kann man hoffentlich auf dem verdammten Mars zusammenarbeiten. (lacht)

Gibt es Leute, die Dir eine Absage erteilt haben?
Niemand hat bisher nein gesagt. Jeder hatte Bock drauf. Ich habe eine witzige Geschichte: Eine der ersten Koops war mit diesem Typ namens Killvein. Es ist ein schwerer Song namens „Knock Me Down“. Ich bin ihm schon für eine Weile auf Instagram gefolgt, und habe verfolgt was er macht und habe mir gedacht, „mit dem muss ich arbeiten, er ist cool“ und dann habe ich ihm geschrieben. Als wir uns dann hier getroffen haben, hat er gesagt: „Als ich die Nachricht von dir auf Instagram bekommen habe, dachte ich, das wäre ein Fake Bullshit Account. Es kann auf keinen Fall der echte Tommy sein.“ Dann hat er gemerkt, dass es wirklich von mir kam.

Instagram hilft ja nach: mit dem blauem Verifizierungs-Haken.
Das stimmt, aber manchmal sind auch die gefälscht. Auf jeden Fall war er wahnsinnig begeistert und hat den Song gefeiert.

Der Titel des Albums ist ANDRO. Was steckt dahinter?
Es ist die Kurzform für das Word „Androgyny“ (deutsch: Androgynie). Es geht also um jemanden, der männlich und weiblich ist.

Wie bildet sich das in den Songs ab?
Eigentlich hatte ich keinen Titel fürs Album. Und dann habe ich, aus dem nichts, die Reihenfolge der zwölf Songs festgelegt, dieser Track, dann dieser… Ich habe alle möglichen Variationen ausprobiert. Aber nichts fühlte sich richtig an. Bis ich – eher aus Versehen – alle ‚männlichen‘ Songs, mit Künstlern, auf die eine Seite packte, und die ‚weiblichen‘, mit Künstlerinnen, auf die andere. Dann hatte ich diese zwei ganz unterschiedlichen Vibes. Und diese halb-weiblich, halb-männliche Energie. Und ich dachte mir „Gott, ANDRO wäre der perfekte Titel.“ So kam das, ich hatte es nicht geplant – bis zu diesem Moment.

Ich habe mir nichts angehört. Ich wollte frei von Einflüssen sein

Die Idee, eine Art Konzeptalbum mit zur Hälfte männlichen und weiblichen Künstler*innen zu machen, kam spontan?
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich so ein Genie wäre, aber das bin ich nicht. (lacht) Es ist komisch, von 2016 bis 2017 habe ich ein Jahr komplett frei genommen. Ich habe mir nichts angehört. Ich wollte frei von Einflüssen sein. Ehrlich gesagt, wollte ich einfach keine Musik mehr hören für eine Weile. Das, was ihr jetzt hört, ist mein Comeback mit massig Ideen und frischer Musik.

Für mich klingt die neue Musik „fresh“. Hören wir einen neuen Tommy Lee?
Ich weiß, ist das nicht verrückt!? Das Album ist seit etwa einem Jahr fertig. Es war vollendet, bevor die Pandemie losging. Es ist sehr selten, dass man eine Platte nach so langer Zeit überhaupt noch mag. Ich hab mir das Album tausende Male angehört, das Aufnehmen, das Abmischen … Gewöhnlich hat man am Ende der Produktion keine Lust mehr darauf! Aber dieses Album höre ich mir immer noch an. Und das ist ein gutes Zeichen, das passiert nicht oft. Es hat keinen fixen Zeitstempel – es könnte von gestern sein.

Fuck, I love it, Europe! Why can’t we have this in America, we suck!

MTV veranstaltet am 17.Oktober und 18. Oktober ein „MTV WEEKEND SPECIAL: TOMMY LEES ROCK WEEKEND“. Was bedeutet MTV für Dich?
Ich weiß nicht genau, wie das für euch in Europa mit MTV ist …

Wir sind damit aufgewachsen und haben die Musikvideos geguckt.
In den USA hatte MTV viele gute Veränderungen. Als Mötley Crüe da lief, war es ein kleiner Sender, wie ein familien-geführtes TV-Network.  Ich habe total positive Erinnerungen an das MTV in Europa, weil ihr da so coole Sachen spielt. Den ganzen coolen Scheiss, der in den Staaten nicht laufen würde. Keine Zensur! Ich dachte mir: „Fuck, I love it, Europe! Why can’t we have this in America, we suck.”

Ist schon komisch, eine amerikanische Aufzeichnung zu hören oder zu sehen, in der sämtliche Schimpfwörter zensiert werden.
Ja, und ihr könnt rauchen und trinken, und sagen, was immer ihr wollt! „God bless Europe.”

Tyla Yaweh und Post Malone haben Dir praktisch eine Hommage geschrieben mit dem Track „Tommy Lee“. Wie kam das zustande?
Oh mein Gott, ich raste immer noch aus darüber. Das ist einfach verrückt für mich. Mit Post Malone bin ich seit einigen Jahren befreundet, ich liebe den Typen. Er ist riesig! Dass er und Tyla einen Song über mich geschrieben haben, ist unfassbar für mich. Ich dachte mir ‚What the fuck are you guys doing!?‘ Ich fühle mich wahnsinnig geehrt. Sie haben sich bei mir gemeldet und gefragt, ob ich einen Remix machen würde. Ich dachte mir ‚Wow, natürlich mache ich das!‘ Ich habe das Schlagzeuger drüber gelegt, in der Version, wie ich den Track wahrgenommen habe.

Also es gab nicht den Auftrag von Dir an die Jungs, einen Song mit dem Titel „Tommy Lee“ zu machen?
Nein, das kam alles von ihnen. Gerade HipHop-Künstler benutzen gerne meinen Namen um irgendwas in ihren Tracks zu untermalen. Aber ein ganzer Song, das ist absolut verrückt! (lacht)

Dein Name ist für junge Künstler*innen vermutlich ein Ausdruck für die gute alte Rock-Musik-Ära.
Das nehme ich an! Ich glaube, das ist genau das, was es Tyla und Post bedeutet. Sie sagten mir: ‚Dude, you’re the man! Dein Lifestyle, dein Alles. Wir mussten etwas über dich schreiben, hätten wir es nicht getan, wäre das ein Versagen unsererseits gewesen.‘ Was kann ich sagen, ich bin geehrt.

Du bist nicht nur ein großer Name für diese beiden Künstler, sondern auch groß auf Instagram und TikTok. TikTok ist ja eine Plattform für die ganz Jungen. Gibt es da Leute, die dich gar nicht wegen deiner Rock-Musik-Karriere kennen, sondern tatsächlich nur wegen deiner TikTok-Videos?
Meine Frau hat mich dazu gebracht. Ich dachte eigentlich, dass das nur für Kids ist, aber je mehr ich es benutze, desto mehr sehe ich, dass das nicht stimmt. Es ist für Menschen jeden Alters! Ich habe meinen Spaß damit gehabt und meine Frau ist Komikerin, sie macht die ganze Zeit Blödsinn dafür …

Sie hat gerade dein Auto pink umlackieren lassen, in den Farben deines Albums …
Ich weiß! Das werde ich ihr heimzahlen! (lacht) Ja, wir machen die ganze Zeit solche blöden Sachen und irgendwie hat sich mich auf den Geschmack gebracht. Und dann sehe ich, dass einer der Posts 12 Millionen Views hat! Wie ist das überhaupt möglich!? Ich weiß nicht, woher die Leute mich kennen, dass musst du die TikTok-User fragen. Aber es macht Spaß!


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