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Multimedialer Irrsinn: zu Gast beim Secret Gig von U2 in Oberhausen

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Begeisterung klingt anders: Autor Marcel Anders war am 24. Oktober beim Secret Gig von U2 in Oberhausen zu Gast und erlebte dort keinen Live-Auftritt der Extraklasse. Die Musik blieb bei diesem Event weitestgehend auf der Strecke.

Wer ein Event veranstaltet, hat etwas zu vertuschen oder zu übertünchen. Sprich: Er muss mit großem Aufwand von Fehlern und Unzulänglichkeiten ablenken. Und auch U2 bedienen sich dieses perfiden PR-Tricks. Vielleicht, weil sie mittlerweile realisieren, dass ihr neues, dreizehntes Album SONGS OF INNOCENCE kein Selbstläufer ist, sondern sie wirklich etwas tun müssen, um das Produkt an den Konsumenten zu bringen. Also geht man zwei Wochen nach Veröffentlichung (!) auf eine Mini-Akustik-Tour, lädt dazu treu ergebene Medienpartner ein, die das Event schon groß multimedial aufblasen, aber auch 250 Gewinner von Saturn, Mediamarkt und den nordrheinwestfälischen Lokalradios.

Womit man gleich in das nächste Corporate-Fettnäpfchen nach dem Apple-Deal tritt. Denn die wahren Fans bleiben draußen, und wer es an einem Freitagnachmittag im tiefsten Berufsverkehr tatsächlich schafft, einen Platz im Treppenhaus bei Radio NRW zu ergattern und dabei noch etwas von der niedrigen Bühne im 1. Stock zu erhaschen, der erlebt eine skurrile Vorstellung der Band aus Dublin. Nämlich einerseits Bono in seiner Paraderolle als arroganter Rockstar mit Lederjacke, Elvis-Tolle und Ohrring, der sich an wilden Posen vergeht und in direktem Kontakt mit Gott stehen will („ich habe ihn gerade im Kopfhörer“). Anderseits aber auch eine Band, die sichtlich Spaß an diesem Auftritt zu haben scheint. Das gilt insbesondere für einen zufrieden lächelnden Adam Clayton mit schneeweißer Jim-Jarmusch-Frisur, Drummer Larry Mullen, der an Sylvester Stallone erinnert, und Gitarrist Edge mit Häkelkäppchen.

Wobei der Gig an sich gerade mal fünf Songs umfasst. Zunächst vier vom neuen Album und dann noch „Stuck In A Moment“, wobei vor allem „Song For Someone“ hervorsticht – weil Bono noch nicht textsicher ist und den ersten Versuch abbrechen muss. Das ist dann wirklich unterhaltsam. Ganz im Gegensatz zur anschließenden Frage/Antwort-Tortur mit Michael Mittermeier als Moderator: Schlechtes Englisch, schlechte Fragen, ein echter Langeweiler. Ein zusätzlicher Song wäre besser gewesen.

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