OG Keemo & sein „Berserker“: Barock, rohe Gewalt und große Erwartungen

Geleerte Instagram-Seite, Barock-Gemälde und ein Countdown: OG Keemos „Berserker“ inszeniert sich als das kompromissloseste Deutschrap-Album des Jahres.

Der Instagram-Account ist geleert, einzig die Bio verlinkt auf eine Website. OG Keemo, der Mannheimer Rapper mit sudanesischen Wurzeln, droppt am 7. Mai 2026 sein neues Album „Berserker“ – und die Erwartungen sind hoch.

Die Website: ein Teaser mit Countdown. Zu sehen ist eine Kunstdirektion, die Großes erhoffen lässt. Mehrere Barockgemälde rotieren hinter dem immer weiter schwindenden Countdown. Darunter der Heilige Sebastian, von Pfeilen durchbohrt, der Blick gen Himmel gerichtet – ein Rubens, der in der Gemäldegalerie Berlin hängt – sowie der abgetrennte Kopf Johannes des Täufers, der aufgrund der Intrigen zweier Frauen ums Leben kam. Rohe Gewalt, ein Black-Metal-Schriftzug im Frakturstil und das Wort „Berserker“ zeichnen ein grobes Bild des neuen Albums.

Was können wir erwarten?

Haftbefehl hat Bazzazian, OG Keemo hat Funkvater Frank. Es ist zu erwarten, dass der Mann hinter dem rohen Soundprofil der letzten Alben, der seit Beginn untrennbar mit Keemos Musik verbunden ist, unsere Ohren wieder mit tiefen 808s beglücken wird. Seine Beats sind so prägend, dass sie meist ein eigens ihnen gewidmetes Instrumental-Album bekommen. Vor allem die Kombination aus kopfnickenden Rap-Passagen und unerwarteten Samples – etwa aus dem Anime-Soundtrack des Miyazaki-Films „Lupin III: The Castle of Cagliostro“ in „Tasche“ – hebt die Musik von der Deutschrap-Norm ab. Fest steht: Von „Geist“ über „Mann beißt Hund“ bis hin zu „Fieber“ war stets ein mächtiger Sound für die Live-Shows dabei.

Inwiefern die immer kreativer werdende Beat-Auslegung fortgeführt wird und welche Features auf dem Album zu finden sind, bleibt offen. Die Gästeliste der vergangenen Alben liest sich jedenfalls traumhaft – ob Souly, Levin Liam oder Schmyt: Die Stimmfarbe OG Keemos harmoniert perfekt.

Klar ist: OG Keemo fährt mit „Berserker“ eine klare ästhetische Linie – roh, kunsthistorisch unterfüttert, kompromisslos. Ob es eine neue Storytime à la „Vögel“ geben wird und ob die Intro-Lines der Songs genauso legendär werden wie bei „Civic“, bleibt abzuwarten.

OG Keemo, auf der Website mit Pappkrone zu sehen, scheint jedenfalls entschlossen, sein Standing im Deutschrap weiter auszubauen – und ist längst kein Geheimtipp mehr.