Nach Fake-News-Tweet gegen Greta Thunberg: Shary Reeves löscht ihren Twitter- und Instagram-Kanal

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Shary Reeves hat sich seit über 25 Jahren nicht nur in der deutschen Popmusik, sondern mehr noch im TV und der Wissensvermittlung einen Namen gemacht: Nachdem die gebürtige Kölnerin in den frühen Neunzigern Teil der Geschwisterband 4 Reeves wurde und mit ihr ungefähr zeitgleich mit den Fantastischen Vier HipHop in Deutschland salonfähig machte, wechselte sie ins Fernsehgeschäft. Sie war in diversen Filmen, in der „Sendung mit der Maus“ sowie langfristiger in der Seifenoper „Marienhof“ zu sehen. Von 2001 bis 2017 moderierte sie gemeinsam mit Ralph Caspers die Kindersendung „Wissen macht Ah!“. Sie engagierte sich unter anderem außerdem gegen Rassismus und als Ehren-Botschafterin für die deutsche Krebshilfe. 2016 erhielt sie etwa eine Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, umgangssprachlich auch Bundesverdienstkreuz genannt, für ihr langjähriges ehrenamtliches Engagement.

Seit einigen Monaten leidet der gute Ruf von Reeves zunehmend. Im Oktober gewann die CDU sie als Moderatorin für den Podcast „Bei Anruf Merz“, in dem sie mit dem konservativen Parteivorsitzenden. Auf anfängliche Kritik reagierte Reeves wie folgt: „Es gibt viele die das wundert, warum? Ich bin Journalistin, das ist mein Beruf, so wie dieses Projekt“. Sie glaubte, dass ein Mann an ihrer Stelle nicht oder anders kritisiert werden würde, sie hingegen werde bemitleidet oder beleidigt. Sie bat: „Supportet mich bitte!!! Wäre ich Anne Will oder Maischberger wäre alles okay, oder? Mein Name ist Shary Reeves, ich bin Journalistin, Autorin, Moderatorin, Keynotespeakerin und ich stelle mich gerne dieser Challenge das geht allerdings nur MIT EUCH!!“ Der Kritik tat das unter anderem deshalb keinen Abbruch, weil Reeves ihre journalistische Arbeit in diesem Format nicht unabhängig von ihrem Gegenüber betreibe, sondern von der CDU dafür bezahlt würde.

Noch eindeutiger gegen Fortschritt, Aufgeklärtheit und inhaltliches Hinterfragen schien Reeves sich vor wenigen Tagen zu positionieren. Auf Twitter diskreditierte die Wissenschaftsjournalistin öffentlich Greta Thunberg und deren Teilnahme an den Demonstration in dem Dorf Lützerath, das wegen des Abbaus von Kohle evakuiert wurde und weggebaggert werden sollte. Reeves schrieb unter der Verwendung diverser Emojis: „#GretaThunberg war in #Luetzerathbleibt mit Buddy #Neubauer. Mist, habe sie verpasst, dabei hätte ich so gerne mal gefragt, wie der Flug in der Business nach Goodie Germany war… Das Leben kann manchmal so #Klima sein… Feines WE euch.“

Für diese Verbreitung nachweislich falscher Tatsachenbehauptungen, also Fake News – Thunberg reiste mit dem Nachtzug an – erntete sie viel Kritik. Die reichweitenstärkste Reaktion darauf erhielt sie von ihrem Ex-Kollegen Ralph Caspers. Der antwortete mit nur einem Wort: „Ratio“. „Ratio“ bedeutet umgangssprachlich auf Twitter, TikTok und Co. so viel wie „Halt Dich an die Fakten“, „Bediene Dich Deines Verstandes“. Gemeint ist damit aber auch die eigentliche Übersetzung des Wortes, nämlich „Verhältnis“. Auf Twitter sind damit Kommentare gemeint, die deutlich mehr Reichweite und Feedback erzeugen als der ursprüngliche Tweet, auf den geantwortet wurde. Im Falle von Caspers‘ „Ratio“ ist das der Fall: Nach aktuellem Stand, drei Tage nach Veröffentlichung, hat sein „Druko“, also Drunter-Kommentar, 25815 Likes, 1481 Retweets, 330 Kommentare und wurde über 862.000-mal angezeigt. Die Zahlen von Reeves‘ Ursprungstweet sind nicht mehr einzusehen: Die Moderatorin löschte als Reaktion auf den Shitstorm nicht nur den Tweet, sondern auch ihren Twitter-Account sowie ihren Instagram-Account.

Eine offizielle Reaktion oder Erklärung von Shary Reeves steht entsprechend noch aus. Viele User, die Reeves aus ihrer Zeit als „Wissen macht Ah!“-Moderatorin kennen, zeigen sich enttäuscht und spekulieren etwa, ob Friedrich Merz ihren Account übernommen hatte. Ironisch versöhnlich hingegen gibt sich Twitter-Nutzer Tobias Tißen. Er erinnert daran, dass wir ohne Shary Reeves Lothar Matthäus (bei „Wetten, dass..?“) niemals hätten rappen hören, und dieses Video aus der Talsohle der Neunziger wollen wir Euch natürlich nicht vorenthalten:

Die 4 Reeves veröffentlichten 1994 ihr einziges Album JAMBO! sowie davor und danach diverse Singles, unter anderem mit dem späteren VIVA-Moderator Mola Adebisi, der als Cousin der Bandmitglieder vorgestellt wurde, es aber nicht war. Shary Reeves‘ Bruder Jim Reeves gründete nach dem Ende der 4 Reeves die Eurodance-Band Sqeezer, landete mit ihnen Hits wie „Blue Jeans“ und „Sweet Kisses“ und verkaufte über eine Million Tonträger. Jim Reeves wurde am 1. Februar 2016 tot in einem Hostel in Berlin aufgefunden. Er starb infolge von schweren körperlichen Misshandlungen. Zwei festgenommene mutmaßliche Täter wurden im Oktober 2018 vom Berliner Landgericht wegen Totschlag im besonders schweren Fall zu 13 und 14 Jahren Haft verurteilt.


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