Napoleon


Em vierstündiger, 54 Jahre alter Stummfilm ist Stadtgespräch von New York,. . Eintrittskarten – zum Höchstpreis von 25 Dollar – sind schwerer aufzutreiben als Leute, die zugeben würden, sie hätten den Film nicht gesehen“, jubelte die „New York Times“ – und alle jubelten mit. Jetzt haben zunächst einmal die Berliner vom 17.-20. Februar Gelegenheit dazu. Doch der Superstar auf der Leinwand heißt nicht Mick Jagger, sein Name ist „Napoleon“.

Die Geschichte dieses Films ist so abenteuerlich wie die heroischen Schlachten des Bonaparte. Von 1925-27 drehte der französische Regisseur Abel Gance diesen Stummfilmklassiker und Meilenstein in der Filmgeschichte, der Auftakt einer sechsteiligen Napoleon-Biographie werden sollte. Soweit aber kam es nicht.

Immerhin überwand Gance alle finanziellen Probleme und entwickelte dabei auch noch ein neues Aufnahme- und Projektionsverfahren, die sogenannte Polyvision, Vorläufer des CinemaScope. Simultan auf drei Leinwände wurden die Filmszenen projiziert und von einem Orchester live untermalt. Der amerikanische Multi Metro-Goldwyn-Mayer erstand den Film, allerdings nur, um das neue, aufwendige Verfahren zu verhindern Völlig verstümmelt wurde der großartige Film zum Reinfall.

Er galt als unwiederbringlich verschollen, bis der Engländer Kevin Brownlow, Autor der Fernseh-Sene „Hollywood“, einen Jugendtraum verwirklichte. Irgendwann einmal waren ihm Teile des Films auf 8 mm in die Hände gefallen. Ab da wühlte der Filmhistoriker in den Archiven und wurde fündig.

Ende der 60er Jahre begann er mit der Rekonstruktion des vierstündigen „Napoleon“, die erste, noch nicht komplette Aufführung fand 1973 statt. Der Verlust einiger Triptychon-Sequenzen ist allerdings endgültig. Regisseur Abel Gance, der 1981 im Alter von 92 verstarb, hatte sie aus Verzweiflung über die Ablehnung seiner Technik selbst vernichtet.

Die Zoetrope-Studios von Francis Coppola haben nun die Präsentation der gewaltigen Bühnenattraktion übernommen. Maestro Carmme Coppola, Francis‘ Vater, der die neue Musik zu „Napoleon“ geschrieben hat, wird das Live-Orchester dirigieren. Und in Deutschland präsentieren Atlas-Film und Ideal-Manager Conny Konzack das Spektakel. Nach der Berlin-Premiere im ICC soll der Film auch nach Hamburg, Frankfurt, Düsseldorf oder Essen und München kommen. Allons enfants …