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Neu im Kino: „20,000 Days On Earth“, mutierte Riesenschildkröten und Robert Downey Jr. wird zum Richter

von

Film der Woche:

„20,000 Days On Earth“

Dokumentation / Musik – Dänemark, Regie: Regie: Iain Forsyth, Jane Pollard, Darsteller: Nick Cave, Susie Bick, Warren Ellis

Eine gut erfundene Geschichte ist besser als die Wahrheit: Nick Cave in einem Leben, das seines sein könnte.

Der Rock’n’Roll ist auch nicht mehr das, was er einmal war. Zum Beispiel im Fall des Nick Cave. Wenn man den Filmemachern Iain Forsyth und Jane Pollard glaubt, verbringt dieser Meister finster-verstörender Rockepen seinen Tag damit, mit seinem schwarzen 1980er Jaguar XJ an Brightons Uferpromenade spazieren zu fahren, unterwegs mal Blixa Bargeld, mal Kylie Minogue oder Ray Winstone aufzulesen oder sich von Warren Ellis mit einem Nudelgericht bekochen zu lassen. Er lästert über die britischen Fish & Chips, denen er die australischen jederzeit vorzieht, macht ein bisschen Musik, trifft seinen Psychiater. Und bevor er mit seinen beiden zwölfjährigen Jungs grinsend, feixend und Pizza mampfend auf der Couch „Scarface“ anschaut, macht er noch einen Abstecher ins altehrwürdige Nick-Cave- Archiv, um alte Fotos und Tagebucheinträge zu begutachten.


Zwar nennt sich „20,000 Days On Earth“ eine Dokumentation, tatsächlich aber konfrontiert der Film seine Zuschauer mit einer wunderbar erfundenen Wirklichkeit. Gerade weil sich die Filmemacher poetische Freiheiten beim Erzählen und Inszenieren erlauben, bewusst die Wirklichkeit verfremden, das Künstliche ausstellen, statt sich mit Authentizitätsquatsch abzugeben, gelingt es ihnen, dem außergewöhnlichen Künstler Nick Cave empfindlich nahe zu kommen. Es sind wahre Lügen, die Forsyth und Pollard auftischen, wenn sie vorgeben, einen ganz normalen Tag im Leben des Nick Cave abzubilden.

Das Filmemacher-Duo hatte zwar vor sechs Jahren den Videoclip zu Nick Caves „Dig! Lazarus! Dig!“ gemacht, Musik ist in „20,000 Days On Earth“ aber eher Nebensache – auch wenn einige Session-Aufnahmen zu Caves aktuellem Album „Push The Sky Away“ eingestreut werden. Vor allem in diesen Szenen erinnert der Film an „One Plus One“ (1968), in dem Jean-Luc Godard – ausgehend von den Studiosessions der Rolling Stones für „Sympathy For The Devil“ – verschiedene Formen des filmischen Erzählens ausprobiert hat. Auch in „20,000 Days On Earth“ wird die Kunst der Fiktionalisierung des dokumentarischen Materials vorgeführt, werden Musiker zu Schauspielern, zur erfundenen Version ihrer selbst. (Text von Gunther Reinhardt)

AUßERDEM NEU IN DEN KINOS UND MIT EINEM EIN-SATZ-SCHNELLCHECK AUFGEFÜHRT:

  BJÖRK: BIOPHILIA LIVE

Bekannte Namen: Björk

Ein außergewöhnlicher Konzertmitschnitt von Björks „Biophilia“-Tour 2013 in London.

Gehen wir rein… um die Formvollendung des multimedialen Gesamtkonzepts, welches hinter dem siebten Studioalbum der isländischen Musikerin steckt, mitzuerleben.

DER RICHTER – RECHT ODER EHRE

Bekannte Namen: Robert Downey Jr., Robert Duvall

Einer verkrachten Vater-Sohn-Beziehung wird neuer Schwung gegeben als der Anwalts-Sohnemann seinen alten Herren vor Gericht vertreten muss.

Gehen wir rein… damit wir eine hochkarätige Besetzung in Aktion sehen können.

MAZE RUNNER – DIE AUSERWÄHLTEN IM LABYRINTH

Bekannte Namen: Will Poulter, Dylan O’Brien, Kaya Scodelario

Rund 50 Jungen finden sich an einem unbekannten Ort wieder, wissen nichts mehr von der Vergangenheit und müssen sich von nun an gemeinsam neuen Gefahren stellen.

Gehen wir rein… falls uns der Sinn nach einem Young-Adult-Film steht.

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES

Bekannte Namen: Megan Fox, Will Arnett, William Fichtner

Vier Riesenschildkröten bekämpfen aus dem Untergrund heraus in New York das Böse, bis eine überengagierte Journalistin ihr heimliches Treiben aufdeckt und erst so richtig für Chaos sorgt.

Gehen wir rein… wenn wir die überaus gut gemachte Animation der Turtles erleben wollen.

THE CUT

Bekannte Namen: Tahar Rahim

Der Exekution entkommen, macht sich ein traumatisierter Armenier auf die Suche

nach seinen Töchtern, in der Hoffnung, dass auch sie sich dem systematischen Völkermord entziehen konnten.

Gehen wir rein… um Fatih Akins Umgang mit einem historisch gewichtigen Thema (der Vertreibung der Armenier vor ca. 100 Jahren) zu begutachten.


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