Newcomer

Neu und gut: Salute

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Ein Umzug nach England samt Musikstudium an der University of Sussex. Songs mit globalen SoundCloud-Promis wie D.R.A.M. („Cha Cha”) oder der Sängerin Abra (unser aktuelles Next Big Ding). Auftritte rund um den Erdball. Und nun MY HEART, ein „Mini-Album“, das nicht weniger als sein bisheriges Leben in Klang kleiden soll. In der Welt des 20-jährigen Felix Nyajo geht gerade alles ganz schön flott. Dass parallel sowohl in seinem Geburtsland als auch in seiner Wahlheimat ein paar Dinge gehörig aus den Fugen geraten sind (#Hofer #Brexit #YouNameIt), dürfte nicht zur Entspannung beigetragen. Nyajo aber, besser bekannt als Salute, ist nicht der Typ, der sich schnell aus der Ruhe bringen ließe. Am Telefon in Brighton erzählt er mit der Routine eines waschechten Veteranen von seinen Einflüssen: „Meine Eltern haben viel Gospel und R‘n‘B gehört, mein großer Bruder hat mir früh ILLMATIC von Nas vorgespielt. Als Jugendlicher habe ich dann elektronische Musik entdeckt.“ Speziell das britische Bass-Kontinuum zog den jungen Salute magisch an. „Mit zehn Jahren habe ich ‚FIFA Street II‘ gezockt. Auf dem Soundtrack war ein Grime-Track, der mich sofort faszinierte.“

Diese Faszination übersetzte Salute bald in den eigenen Tatendrang. Er produzierte Drum’n’Bass und fand schließlich zu seiner eigenen Version jenes Sounds, der gerne unter dem Un-Begriff „Future Bass“ verhandelt wird: elektronische Beats mit Goldstaub, einem gesunden Bekenntnis zu klassischen Popstrukturen – und ganz viel Soul. Spätestens mit der EP „Gold Rush” landete er 2015 oben auf dem Zettel notorischer Preziosen-jäger, zwischen Seelenverwandten wie Mura Musa, Stwo oder Ekali. „Wir sind alle im gleichen Alter. Wir haben ähnliche Referenzen. Und wir haben letztlich unseren Weg über SoundCloud gefunden.“

Dieser Weg hat Salute auch zu sich selbst geführt. Auf den sieben Songs von MY HEART  führt er die Erzählstränge seines Lebens zusammen: „Die erste Hälfte ist geprägt von den Einflüssen meiner Kindheit, die zweite Hälfte repräsentiert meine Jugend und die elektronische Musik jener Zeit.“ Ohnehin ist für Salute, der als 14-Jähriger von Neonazis mit mehreren Messerstichen verletzt wurde, die Zukunft untrennbar mit Geschichte verbunden. „House und HipHop sind als Protestmusik von Minderheiten entstanden. Mich ärgert, wenn Leute so viel aus dieser Kultur ziehen und sich dann weigern, sich zu informieren und zu dem zu äußern, was aktuell in der Welt passiert. Diese Ignoranz kann ich einfach nicht verstehen.“ Salute jedenfalls stellt sich ihr mit seiner Geschichte und
seinem Herzen.


Klingt wie: Rustie, Disclosure, Mura Masa


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t:Neu und gut: Salute


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