Hotlist 2026: Die besten Newcomer:innen des neuen Jahres
Wie wird 2026 klingen, wer sind die Acts, auf die man Auge machen sollte? Die Glaskugel ist frisch poliert, schaut rein!
Sienna Spiro
Gen Zs Antwort auf Adele
Mit Coverversionen auf TikTok hat sich Sienna Spiro eine beachtliche Fanbase ersungen. Nach ihrer ersten EP ist klar: Sie klingt nicht nur wie Adele, sondern könnte schon bald in ihre Fußstapfen treten.
Für Fans der James-Bond-Reihe ist wohl im Moment nur noch eine Sache frustrierender als das lange Warten auf den nächsten Film: Die wöchentlichen Schlagzeilen zum Thema Bond, hinter denen sich doch wieder nur Spekulationen um Daniel Craigs Nachfolge verbergen. Für uns Musikfans ist hier ohnehin eine andere Frage viel spannender: Wer folgt auf Billie Eilish als Interpret:in des Bond-Songs? Eine Antwort gibt es hier zwar auch noch nicht – dafür aber einen neuen Geheimtipp: Sienna Spiro!
Obwohl die 20-jährige Londonerin erst eine Handvoll Singles und eine EP rausgebracht hat, wird sie in Interviews schon nach dem nächsten Bond-Song gefragt. Kein Wunder, denn Spiro singt mit ihrer rauchigen Stimme so beeindruckend soulig und bis in hohe Lagen, dass sich nicht nur ein entfernter Gedanke an Adele aufdrängt. Und im Song-Arrangement gelingt ihr der dynamische Wechsel zwischen großer Disney-Geste und intimem Neo-Soul, den man sich einst für Sam Smiths Bond-Performance gewünscht hätte. Die Einflüsse, die auf Spiros Debüt-EP anklingen, kommen nicht von ungefähr. Zuerst machte sie nämlich mit Coverversionen auf TikTok auf sich aufmerksam – unter anderem von Adele. Mittlerweile hat sie es aus dem Internet bis aufs Montreaux Jazz Festival und in den Podcast von Elton John geschafft. Im Oktober stand sie sogar mit Sam Smith himself für ein Duett auf der Bühne und wurde kürzlich für einen BRIT-Award nominiert.
Ob es wirklich der nächste Bond-Song wird, bleibt abzuwarten. Von Sienna Spiro werden wir aber auf jeden Fall hören!
Text: Linus Rogsch
Woher: London
Für Fans von: Adele, Sam Smith, Celeste, große Gefühle, Powerpop
Anspieltipp: „You Stole The Show“
Neue Musik: noch nichts angekündigt
Live: 21.5. Köln
Sassy 009
Hyperpop ohne Endorphine
Den vernebelten Technopop der Norwegerin Sassy 009 hört man am besten spätnachts – aber nicht im Club, sondern alleine.
Technopop mit Flöten und experimentellem Gesang: Das norwegische Trio Sassy 009 war Ende der Zehnerjahre ein Geheimtipp. Sunniva Lindgård war Teil der Band, heute ist Sassy 009 ihr Soloprojekt. 2021 hat sie ein Mixtape veröffentlicht, das R’n’B mit Techno und Synth-Pop verknüpft. Auf ihrem Debütalbum DREAMER+, das im Januar erschien, treibt die 29-Jährige aus Oslo den Eklektizismus auf die Spitze: Traumwandlerische Synthesizer und vernebelte Klangkulissen treffen auf Gitarren-Texturen. Lindgård spielt auf Air an, verbindet Grunge- sowie Shoegaze-Elemente mit Breakbeats und elektronischen Sounds. Ein Sound irgendwo zwischen Hyper- und Technopop, der eher zur Introspektion einlädt als zur kollektiven Ekstase.
Lindgård verfremdet oft ihre Stimme. Das Album besticht durch eine dichte Gesamtatmosphäre, hat aber auch Stimmungswechsel. Manche Songs sind clubbig, „Someone“ ist ein düsteres Hyperpop-Update, „Tell Me“ klingt hingegen warm: ein Funk-meets-Grunge-Song mit Blood Orange, der ihre Skills wohl schon zu schätzen weiß. Es geht um Liebe, Verlust, Schmerz und Fehler. Lindgård lässt uns nah an sich heran und doch ist ihr Album enigmatisch. In einer Zeit, in der Popmusik oft persönliche Nabelschau ist, gibt sie sich geheimnisvoll und unprätentiös.
Im Finale „Ruins of a Lost Memory“ singt Lindgård am Klavier ohne Stimmeffekt. Jedoch hören wir sie hier aus der Distanz. Es wirkt, als ob ihr dumpfer Gesang aus einem Raum kommt, dessen Tür nur einen Spaltbreit geöffnet ist. So eigensinnig und eklektisch klingen derzeit nur wenige.
Text: Philipp Kressmann
Woher: Oslo
Für Fans von: Grimes, Tirzah, Air
Anspieltipp: „Tell Me“ (feat. Blood Orange)
Neue Musik: das Debütalbum DREAMER+ erschien am 16.1.
Live: 17.2. Berlin







