Nicki Minaj nennt sich Trumps „Nummer-eins-Fan“ – und erklärt warum

Nicki Minaj hat sich in einem rund 90-minütigen Interview mit dem „Time“-Magazin erstmals ausführlich zu ihrer Unterstützung für Donald Trump geäußert. Die Rapperin bezeichnet sich darin als Trumps „Nummer-eins-Fan“ und behauptet, viele Celebrities teilten ihre politische Haltung, schwiegen aber aus Angst vor Konsequenzen: „Manchmal braucht man nur eine mutige Person, die den Großteil des Aufpralls abfängt. Ich glaube, ich bin der Katalysator für diesen Wandel.“ Namen nennt sie keine.

Swatting-Vorfall als Wendepunkt

Den entscheidenden Anstoß für ihr öffentliches Bekenntnis beschreibt Minaj als persönliche Erfahrung: Nach wiederholten Swatting-Vorfällen an ihrem Haus in Kalifornien habe Gouverneur Gavin Newsom nicht reagiert. Die republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna habe ihr im April 2025 geholfen, Kontakt zu Behörden und einem privaten Sicherheitsdienst herzustellen. „Ich war schockiert. Ich hatte noch nie jemanden in der Politik gesehen, der mich so behandelt“, sagte Minaj dem Magazin.

Obama und Jay-Z als Erklärung

Für ihre Abkehr von der Demokratischen Partei macht Minaj Barack Obama und Jay-Z verantwortlich. „Ich glaube, Jay-Z hat Obama am Ende viel gekostet, ob er es weiß oder nicht“, sagte sie. „Viele Rapper mögen Jay-Z nicht und hatten Angst, es zu sagen.“ Ihre Begründung läuft auf ein zirkuläres Argument hinaus: Weil der demokratische Präsident den Rapper mochte, der ihre Karriere blockiert habe, sei der republikanische Präsident nun ihre Wahl.

Im Interview verteidigt Minaj zudem ihre umstrittenen Tweets aus dem Jahr 2021, in denen sie behauptet hatte, der COVID-Impfstoff habe in Trinidad zu geschwollenen Hoden geführt. Den problematischsten Moment des Gesprächs liefert sie bei der US-Wahl 2020: Auf Fragen zu Trumps unbewiesenen Behauptungen über Wahlbetrug antwortet sie: „Offensichtlich weiß ich es nicht, aber wenn er es sagt, weiß ich, dass er seine Hausaufgaben gemacht hat.“ Ohne Belege erklärt sie zudem: „Es wählen Menschen, die nicht wählen sollten.“ Strafverfolgungsbehörden haben für derart breit angelegten Wahlbetrug bislang nichts gefunden. Minaj ruft ihre Fans außerdem aktiv dazu auf, ihre Abgeordneten zur Unterstützung des SAVE Acts zu bewegen – eines Gesetzentwurfs, von dem Kritiker:innen befürchten, dass er Wahlhürden für Frauen und People of Color erhöht.

Der Preis für Minajs politischen Schwenk ist messbar. Ihre LGBTQ+-Fangemeinde, jahrelang eine ihrer treuesten, reagierte mit offenem Bruch – ausgelöst vor allem durch ihre Aussage in Phoenix: „Wenn du als Junge geboren wirst, sei ein Junge.“

Rapper:innen als Politikexpert:innen

Was der Fall Minaj offenbart, ist ein breiteres Phänomen: In einer Öffentlichkeit, in der politische Debatten zunehmend auf Identifikation statt auf Argumentation setzen, werden Celebrities zu Stellvertretern für Haltungen, die einer Begründung bedürften. Vertrauen ersetzt Fakten, Gefühl ersetzt Analyse. Minaj selbst vergleicht den Präsidenten im Interview nicht mit politischen Vorgängern, sondern mit einer Pop-Ikone: „Genauso wie Marilyn Monroe einen Vibe repräsentiert – Donald Trump ist sein eigener Vibe.“ Trump bei den Midterm-Wahlen zu unterstützen, hat sie bereits angekündigt: „Ich mache, was immer nötig ist.“