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Niemand provoziert schöner als Zugezogen Maskulin 

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Ok mamchmal überkommt eim dieses 1 Gefühl das es in der Welt nur noch Ideoten und Voldödel gibt vong Social-Media-Kommentaren her. Da ist es ermutigend, ab und zu doch noch auf Menschen zu treffen, die eine durchdachte, eigene Meinung haben, einigermaßen intelligent sind und sich auch noch artikulieren können.

Vor diesem Hintergrund sind Zugezogen Maskulin ein Glück Deutschrap. Rap entwickelt sich mehr und mehr zu einem überzuckerten Lollie, an dem jeder mal lecken will. Und offenbar auch darf. Inhalte sind schon seit Ewigkeiten überkommen und Können scheint kaum noch zu interessieren.

Kann nicht mehr lange dauern, bis das ganze von Stumpfsinn überfüllten Genre in sich zusammenfällt — wären da nicht so Ausnahmen wie Zugezogen Maskulin. Testo und Grim104 gehen Problemen nicht aus dem Weg, sie verstecken sich nicht hinter Kunstfiguren und Fantasiewelten. Sie gehen die Scheiße direkt an.

Sie zersägen rappend den Rap. Sie packen in ihrer Jugend hängengebliebene Oldschooler an den Schultern und schütteln sie mit Trap-Beats ordentlich durch. Sie reflektieren die bigotte Haltung der Großstadtjugend zu Krieg, Flucht und Armut. Sie verarbeiten ihre frustrierende Teenagerzeit in ostdeutschen Plattenbauvierteln und der norddeutschen Dorftristesse. Sie schreiben in verstörender Ehrlichkeit über Drogen. Sie treten gegen Rechts und Deutschtümelei. Sie kritisieren die haltungsfreie Haltung der Hipsterjugend. Sie tun weh, wenn es weh tun muss.


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Sie verstören mit Songtiteln wie „Ratatat im Bataclan“. Und selbst das ist keine dumpfe Provokation, sondern hält der westlichen Welt geschickt und verstörend den Spiegel vor. ZM sind dagegen, aber nie aus einem dumpfen Anti-Alles-Prinzip, sondern immer durchdacht und argumentativ gestützt.

Das Schönste an ZM ist aber, dass sie bei all den ernsten und ernst gemeinten Themen nie oberlehrerhaft oder nervig werden. Im Gegenteil, das Ganze wird (live) mit so einem miesen TurnUp unterfüttert —so sagt man doch heute vong Raptalk her — dass du im Zweifel auch komplett auf den oberklugen Abituristen-Quatsch scheißen und einfach nur feiern kannst.

Witzig sind die beiden auch noch und dabei reflektiert, nicht abgehoben und so grundsympathisch, dass es fast schon wieder unsympathisch ist. Was soll man als Musikkritiker mit Musikern anfangen, die einem so gut wie keinen Angriffspunkt liefern? Vielleicht sollte man sie einfach feiern und sich auf das offenbar demnächst bevorstehende neue Album freuen. Und vorher noch den Hinweis darauf geben, dass Zugezogen Maskulin am 2. September zusammen mit Ghanaian Stallion, Moonbootica, Eskei83 und mehr im Musik & Frieden spielen und du hier Tickets bekommst: https://krasserstoff.com/event/105032


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