Spezial-Abo

No Surprises: Die Oscar-Nacht 2014 und ihre Gewinner im Schnellcheck

von

Das war dann doch ziemlich langweilig. Vom ersten Moment dieser 86. Oscarverleihung an war klar, dass weder in Sachen Präsentation, noch bei den Preisen irgendwelche Überraschungen erwartet werden konnten. „Heroes In Hollywood“ war das Motto des Abends, der sich tatsächlich alle Mühe gab, das zu feiern, was in Hollywood als Heldentum angesehen wird. Angefangen mit Jared Leto, der als Bester Nebendarsteller ausgezeichnet wurde und seinen Preis neben seiner Mutter auch noch Venezuela, der Ukraine und allen AIDS-Opfern widmete. Über die Backstage-Sängerinnen von „20 Ft. From Stardom“, deren Kampf im Hintergrund als Dokumentarfilm offenbar preiswürdiger war, als der für viele beste Film des Jahres „The Act Of Killing“. Bis hin zu Ellen De Generes, die sich tapfer dagegen wehrte, das Geschehen mit wirklich komischen Jokes ein wenig zu verkürzen.

So kam es nach gähnend langen Stunden der „Nebenpreisvergabe“ zum von vielen erwarteten mutlosen Schritt: „Gravity“-Regisseur Alfonso Cuaron wurde nach sechs Oscars in eher technischen Kategorien (u.a. auch Kamera, Musik) mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet, Matthew McConaughey als bester Darsteller, Cate Blanchett wie erwartet für die beste weibliche Hauptrolle in „Blue Jasmine“ und schließlich „12 Years A Slave“ als Bester Film, weil – wie De Generes zu Beginn süffisant anmerkte – sich die Academy als rassistisch geoutet hätte, wäre es zu einem anderen Ergebnis gekommen. Überreicht hat den Preis übrigens mit Will Smith der frischgekürte mehrfache „Himbeeren“-Preisträger, kleine Ironie am Rande eines doch recht spaßbefreiten Abends.

Im Ergebnis macht das sieben (überwiegend nebensächliche) Oscars für „Gravity“, drei für „12 Years A Slave“ (Bester Film, Bestes adaptiertes Drehbuch, Beste Nebendarstellerin Lupita Nyog’o) und drei für den „Dallas Buyers Club“ (für die beiden Darsteller McConaughey und Leto sowie für das Make-Up). „The Wolf Of Wall Street“ und „American Hustle“ gingen komplett leer aus. Möglicherweise haben die Hauptfiguren hier nicht wirklich ins Konzept des All-American Hero gepasst.

Und sonst? Große Freude immerhin für Paolo Sorrentino, dessen „Grande Bellezza“ vollkommen zu Recht zum besten Foreign Language Film gekürt wurde. Und Spike Jonze, der für sein Originaldrehbuch zu „Her“ den ersten Oscar seiner Karriere abräumen durfte. Was am Ende einer viel zu langen Nacht die vielleicht einzige wirkliche Überraschung einer (bis auf den Hauptpreis) erstaunlich mutlosen Oscarverleihung war.

Oscars 2014 – alle Gewinner im Überblick:

Film: „12 Years a Slave“

Hauptdarstellerin: Cate Blanchett („Blue Jasmine“)

Hauptdarsteller: Matthew McConaughey („Dallas Buyer Club“)

Nebendarstellerin: Lupita Nyong’o („12 Years a Slave“)

Nebendarsteller: Jared Leto („Dallas Buyers Club“)

Regie: Alfonso Cuarón („Gravity“)

Ausländischer Film: „The Great Beauty“ („La Grande Bellezza“ – Italien)

Drehbuch-Adaption: John Ridley („12 Years a Slave“)

Original-Drehbuch: Spike Jonze („Her“)

Zeichentrickfilm: „Frozen“

Ausstattung: „The Great Gatsby“

Cinematografie: „Gravity“

Tonmix: „Gravity“

Tonschnitt: „Gravity“

Soundtrack: Steven Price („Gravity“)

Song – „Let It Go“ („Frozen“)

Kostüm: „The Great Gatsby“

Makeup und Frisur: „Dallas Buyers Club“

Zeichentrick-Kurzfilm: „Mr. Hublot“

Dokumentarfilm: „20 Feet from Stardom“

Dokumentarfilm (kurz): „The Lady in Number 6: Music Saved My Life“

Schnitt: „Gravity“

Live-Action-Kurzfilm: „Helium“

Visuelle Effekte: „Gravity“

Ehren-Oscars (bereits zuvor vergeben):

Peter W. Anderson, Film-Entwicklungslabore des vergangenen Jahrhunderts, Angelina Jolie, Angela Lansbury, Steve Martin, Piero Tosi.


Konzertabbruch in Augsburg: Helge Schneider gibt Strandkorb Open Air einen Korb
Weiterlesen