Konzertbericht

Olivia Dean live in Berlin: Ein Herzschlag aus poppigem Soul und Liebe

Olivia Dean verwandelte die Uber Arena Berlin in einen Ort voller Glück & Konfetti – ein Abend, der noch lange nachhallt.

Der 12. Mai ist ein verregneter Tag in Berlin. Überall ist es grau, kalt und nass – von Frühlingsgefühlen keine Spur. Mit einer Ausnahme in Friedrichshain-Kreuzberg: Hier in der Uber Arena erfüllt Olivia Dean an diesem Regenabend eine ausverkaufte Halle mit Glück, Euphorie und Liebe. Die englische Neo-Soul-Sängerin ist schon lange kein Randphänomen mehr. Spätestens seit dem Mega-Erfolg ihrer Single „Man I Need“ ist sie aus den Radios und auch aus den Köpfen der Menschen nicht mehr wegzudenken.

Ursprünglich sollte Olivia Dean in einer kleineren Location spielen. Dass das eine maßlose Fehleinschätzung war, bestätigt sich in dem Moment, als Massen überwiegend junger Frauen in die nun größere Venue strömen. In gepunkteten Outfits gekleidet, füllen sie die gesamte Uber Arena schon vor Beginn der Show mit warmen Gefühlen.

Eine märchenhafte Erscheinung inmitten Berlins

Die Bühne ist in einen auffallend eleganten, hellen Vorhang gehüllt, auf den groß der Schriftzug THE ART OF LOVING – so der Titel ihres aktuellen Albums – projiziert wird. Als schließlich die ersten Töne des gleichnamigen Intros der LP ertönen und bereits die Silhouette der Britin zu sehen ist, beginnt eine Show, die ich so schnell nicht vergessen werde.

Mit dem Track „Nice to Each Other“ startet Olivia Dean ihre Show in Berlin mit einem Mega-Hit, der die gesamte Uber Arena von einem Augenblick auf den nächsten zum Tanzen bringt. Auch die Sängerin selbst springt und tanzt auf der Bühne hin und her, und es dauert nicht lange, bis deutlich wird: Diese Frau lebt ihre Leidenschaft. Mit Anmut, Eleganz und zugleich unfassbar charakterstark nimmt sie die Bühne ein und überzeugt mit einer Bühnenpräsenz, die mich – und augenscheinlich auch alle anderen Fans – in ihren Bann zieht.

Eine Show mit klaren Regeln

Wenig später teilt Olivia Dean eine wichtige Info mit der Crowd, denn sie hat eine Vorschrift, an die wir uns zu halten haben: „There’s only one rule: To enjoy yourself and sing, dance or cry if you feel like it.“ Eine Aufforderung, der ich für meinen Teil an diesem Abend mehrmals nachkommen soll.

Mit „So Easy (To Fall in Love)“ gibt die Britin eine Ode an die Selbstliebe zum Besten. Sie singt davon, wie einfach es sei, sich in sie zu verlieben – womit sie Recht behalten soll. Die leichten und fröhlichen Klänge des Songs bringen sie und ihre Live-Band mühelos auf die Bühne, wobei besonders die Virtuosen an den Blasinstrumenten zu diesem Konzerterlebnis beitragen. Nach einem eindringlichen Monolog über die Liebe und was sie bedeutet, steht anschließend der Track „Let Alone the One You Love“ auf dem Programm, bevor sie sich einer Auswahl ihrer älteren Songs widmet.

Personifizierter Charme in Form von Olivia Dean

Es folgen herzerwärmende Performances der Lieder „UFO“, „Touching Toes“ und „I’ve Seen It“, für die Olivia Dean und zwei ihrer Bandmitglieder auf Hockern am Rande der Bühne sitzen, mit einem Spotlight auf sie gerichtet. Mit „Carmen“, einem Lied über ihre Großmutter, lockert die charmante Sängerin die Stimmung zunächst erneut auf, bevor sie sich auf den Weg zu einer B-Stage inmitten der Konzertbesucher:innen macht.

Währenddessen erklingen die letzten Töne von „Time“ auf der großen Bühne, ehe sie mit „Loud“ auf der zweiten Bühne einen ihrer emotionalsten Songs performt, der ohne Weiteres genauso als Song für einen James-Bond-Film funktionieren könnte. Spätestens zu diesem Zeitpunkt bleibt in der Uber Arena in Berlin kein Auge trocken. Wenige Momente später schlängelt sie sich durch die Crowd zurück auf die große Bühne, während sie „The Hardest Part“ ins Mikrofon haucht.

Berlin reist zurück in die 70er

Dass Olivia Dean nicht nur Pop, sondern auch Soul und Funk kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Spätestens mit der Performance von „Ladies Room“, einem Song ihres Debütalbums MESSY, stellt sie diese Vielfältigkeit zur Schau. Während die Bläser erneut die komplette Halle mitreißen, hüpft Dean in ihrem goldenen Glitzerdress unbeschwert hin und her. Mit einem Cover von „Move On Up“ von Curtis Mayfield machen sie und ihre Fans eine gemeinsame Zeitreise zurück in die 70er-Jahre, bevor es perfekt getimt direkt mit dem nächsten Track „OK Love You Bye“ weitergeht. Ihre Präsenz ist dabei weiterhin geprägt von Anmut, Eleganz, Leichtigkeit, Lebensfreude und Liebe, die mich nicht nur das graue Wetter, sondern auch alles andere für die Dauer der Show vergessen lassen.

Den krönenden Abschluss bildet – wie sollte es anders sein – der Song „Man I Need“, der noch ein letztes Mal alle Beine und Stimmbänder zum Schwingen bringt. Für einen gar nicht mal so kurzen Moment hoffe ich, dieser Abend würde niemals zu Ende gehen. Dieser Wunsch bleibt mir zwar verwehrt, denn als Olivia Dean noch ein letztes Mal den Refrain des Hits singt und Konfettikanonen rosarote Papierschnipsel in die Menge pusten, findet die 105-minütige Show der Sängerin ein Ende. Was bleibt, ist mein volles Herz, glückliche Fans und ein Konzert der ganz besonderen Art, das wohl nicht nur mir noch für lange Zeit in Erinnerung bleibt.