Spezial-Abo
🔥Crime-Podcasts für Krimi-Fans: Bei diesen True-Crime-Storys gefriert das Blut in den Adern

Kritik

„Once Upon a Time in Hollywood“: Warum bloß kopiert Tarantino sich selbst? (Kritik)

+++ Diese Kritik erschien zuerst auf RollingStone.de +++

Achtung: Diese Kritik enthält fundamentale Spoiler zum Film – das Schicksal einzelner Figuren, als auch das Film-Ende betreffend.

Quentin Tarantino war der Mann, der Adolf Hitler und Josef Goebbels von Maschinengewehrkugeln zerfetzen ließ. Das hatte vor ihm mit Hitler und Goebbels noch keiner angestellt. Wer „Inglourious Basterds“ gesehen hatte, wusste also, dass Tarantino Märchen erzählen kann, dass er Geschichte einfach umschreibt, und dass das funktioniert. Der Arbeitstitel jenes „Es war einmal …“-Films hieß nicht ohne Grund „Once Upon a Time … in Nazi-occupied France“.

Jetzt hat er „Once Upon a Time … In Hollywood“ gedreht, also wieder ein Märchen. Aber ein zweites Mal kommt Tarantino mit dem Trick, die Schurken verlieren zu lassen, nicht durch – warum sollte man ihm auch allein den Versuch schon durchgehen lassen? Die Ansprüche an den 56-Jährigen, der sich innerhalb seiner Arbeiten noch nie wiederholt hatte, sind hoch. Aber noch nie war man am antizipierten, ja befürchteten Film-Ende so schnell dran wie hier, in seinem zehnten (Tarantino spricht von seinem neunten) Werk. Ein Tarantino-Film, dessen Clou sich erahnen lässt? Himmel, hilf.

Hack- und Grillfleisch

Tarantino entschied, seine Liebeserklärung an das Los Angeles seiner Kindheit, an die Stadt an sich, aber auch an das Serial-TV und Westernkino der 1960er, mit der „Manson Family“ und deren Morde an fünf Menschen, unter ihnen die schwangere Sharon Tate, zu verknüpfen. Jenes Ereignis war auch deshalb so einschneidend, weil es, zusammen mit dem Drama von Altamont-Festival im selben Jahr, bis heute als „das Ende des friedlichen Hippie-Traums“ bezeichnet wird.

Tarantino aber hätte wohl besser, wenn überhaupt, zwei Filme aus dem Material entwickeln sollen. Das Ende der „Goldenen Ära“ Hollywoods – sowie den Albtraum, der aus der Spahn-Ranch geboren wurde, wo sich die Hippie-Kommune Mansons eingerichtet hatte. Es ist nicht immer klar, was er mit seinen parallelen, zufällig zusammenfindenden Chroniken mitteilen will, also wenn zwei abgehalfterte „Old Hollywood“-Gestalten, Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) und dessen Stuntman Cliff Booth (Brad Pitt), die Manson-Gang – noch vor deren blutigen Streifzügen im Polanski-Haus – zu Hack- beziehungsweise Grillfleisch machen, darunter mit Einsatz von Requisiten, die aus ihren eigenen Trash-Filmen stammen.



Musik, die zu Literatur wird: Was Autoren hören, wenn sie schreiben
Weiterlesen