Paul Kalkbrenner


Und am Ende ein Feuerwerk: Der Besuch auf einem der beiden Konzerte des Berliners in der Wuhlheide

Es wäre sehr einfach, diesen Text mit einer Sozialstudie des Publikums zu beenden. Aber warum nicht gleich damit loslegen? Schließlich weiß eh jeder, dass ein Konzert des Berliner Techno-Produzenten am Ende selbst dem härtesten Kalkbrenner-Hasser-Ich-Bin-Ja-Sounderground-und-Gegen-Kommerz-Technofaschisten wenn nicht ein resigniertes Lächeln, dann zumindest ein anerkennendes Nicken auferlegt. Schließlich spielt der 34-Jährige nur Hits, aber es sind nun mal seine Hits. Ebenso selbstverständlich spielt er am Ende „Sky And Sand“ – warum auch nicht? Denn deswegen, und an dieser Stelle schwenken wir über zur Publikumsbetrachtung, verkauft ein Kalkbrenner eben mal 34 000 Karten in 48 Stunden. An Menschen aus der Vorstadt, Menschen aus Stuttgart, Menschen, die sonst auf den Parkplatz fahren, um zu raven. An die stille Mehrheit eben und nicht an die Authentizitätswauzis der medial überrepräsentierten Berliner Coolness.

Und diese stille Mehrheit hat an diesem Abend sichtlich Spaß. All die Sandys, Mandys und Kevins, all die Mädels und Jungs mit den Arschgeweihen von der Brandenburg Shore, wenn es diese denn gäbe. Sie stehen und stampfen, klatschen und tanzen, brüllen und pfeifen. Freuen sich über jedes Hi-Hat, das tingelt, über jeden Bass, den Kalkbrenner hinzuklickt. Denn darum geht es an diesem Abend: Darum, den ganzen Scheiß einfach wegzubassen. Den Kleinkredit vom Wagen, der noch immer nicht abbezahlt ist. Die Chefin, die am Montag wieder fragt, warum man solch dunkle Augenringe nicht wegschminkt. Den Nachbar, der in derselben Schuhkarton-Wohnung mit demselben blauen Sofa von Ikea sitzt. Hier geht es um das kleine Glück der stillen Mehrheit. Um diese paar Stunden, die die 17 000 von all den anderen Arschlöchern unterscheidet. Denn, liebe Hater, ihr wisst doch: Auch ein Arschloch auf Pille bleibt ein Arschloch.