Paul Young


Keine Blechschlangen, kein Stop & Go, kein Parken in der Walachei? Da mußte was faul sein! Und Tatsache: Ein kläglich‘ Häuflein von nur 2000 Fans verlor sich in der durch Vorhänge abgetrennten Philipshalle.

Mögliche Gründe für den Zuschauerschwund: Allgemeine Konzertmüdigkeit, die Nähe zu Konkurrenzterminen, das paralell stattfindende Bundesliga-Schlagerspiel der Geißbockelf gegen den Tabellenzweiten Werder oder aber das eurovisionäre „Rockpalast“-Spektakel, mit dem sich Paul vielleicht selbst das Wasser abgegraben hat.

Das Bild auf der Bühne: links Bassist Pino Palladino in voller Größe und weißem Anzug; als Weltkind in der Mitten unser Rex Gildo-Lookalike, flankiert vom kleinwüchsigen Gitarristen Johnny Turnbull. In der zweiten Reihe als Farbtupfer die drei schwarzen Backup-Sänger. Hinten die beiden Keyboarder und der Schlagzeug-Motor Mark Pinder.

Die Lightshow hatte Las Vegas-Dimensionen. Doch der Mann am Lichtpult bewies Geschmack, setzte Akzente, stellte sein Farbenspektrum stets in den Dienst der Musik. Nicht ganz zufriedenstellend der Sound: Grobschlächtig waberte es aus den Boxen. Mal übersteuerte die Gitarre, mal schepperten die Simmons ohrenbetäubend, mal kämpfte Paul im Klangstrudel, mal schmiergelte das Piano an den wohltemperierten Nerven.

Doch die spielfreudige Combo und der gut aufgelegte Sänger machten technische Mängel wett. Paul absolvierte ein hartes Trainingsprogramm: joggte von P.A.-Turm zu P.A.-Turm, ließ die Hüften kreisen und gab zur Freude der Damen obendrein noch sexy Tanzeinlagen.

Das 15-Song-Repertoire mit Hits zu würzen, fiel der Royal Family nicht schwer. Der R&B-bewanderte Herr Jung trieb jedoch seinen Schabernack mit den Chart-Dauerbrennern. Der fließende Reggae-Rhythmus von „Love Of The Common Peopie“ schälte sich aus einem „Do The Monkey“-Vorspiel heraus. Marvins Klassiker „Wherever I Lay My Hat“ wurde die Smokey Robinson-Nummer „Abraham, Martin & John“ vorgeschaltet. Paul, von der Teenie-Presse gern als Plüschtier vereinnahmt, bewältigte die Doppelrolle als charmanter Don Juan und blue eyed Sound-Caruso bravourös.

Doch während die ersten Reihen in Liebe entbrannten, aufblasbare Herzen, Teddybären und Blumensträuße warfen, setzte in einiger Entfernung der Lagerfeuer-Effekt ein: vorne heiß, hinten kalt. Da half es auch nicht, daß die produktionstechnischen Feinheiten von THE SECRET OF ASSOCIATION durch Energie ersetzt wurden. Abgesehen von dem druckvollen „I Gonna Tear Your Piayhouse Down“ hinterließ der A-Cappella-Vortrag des Crystals-Titels „Da Do Run Run“ den stärksten Eindruck. Der Mühe Lohn erntete der wohl begabteste weiße R&B-Ächzer beim Finale. „Paul-Paul“-Chöre- und bei „Everytime You Go Away“ sangen sie dann alle mit.