Pixies‘ Black Francis über Kim Deal: „Ich war froh, dass sie weg war!“

Euphorie geht anders: Zehn Jahre nach ihrer Wiedervereinigung legen die Pixies ein Comeback-Album vor, mit dem niemand mehr gerechnet hat. Und – noch viel schlimmer – das bei Hardcore-Fans allein deshalb ungehört durchfällt, weil es ohne Bassistin Kim Deal entstanden ist. Wie sich im Gespräch mit dem Chef der Band, Black Francis, zeigt, hat der jetzt endgültig die Faxen dicke.

Im Interview mit Musikexpress-Autor Marcel Anders findet Francis klare Worte für das immer schon angespannte Verhältnis zwischen ihm und Kim Deal: „Sie meckerte an allem herum, was von mir kam. Soll sie doch selbst Songs schreiben und es besser machen. Aber das hat sie nicht. Sie hat sich mit einer Zigarette auf die Bühne gestellt, ein bisschen Bass gespielt und alle Jungs im Publikum haben sich in sie verliebt. Ich habe den ganzen Kram geschrieben, Gitarren gespielt und mir die Seele aus dem Leib geschrien. Aber irgendwie scheint das niemanden zu interessieren. Ja, ich war neidisch. Es war einfach ungerecht. Ihre Rolle und ihr Einfluss wurden komplett überschätzt“, so Francis.

Warum es so lange dauerte, bis INDIE CINDY schließlich erscheint? Schon vor sechs Jahren hatte er zum ersten Mal ein paar Demosongs an die anderen verteilt. „Zugegeben, sie waren nicht besonders gut produziert, es waren Laptop-Aufnahmen“, sagt Francis. Aber für Kim seien sie einfach indiskutabel gewesen: „Das geht gar nicht!“, soll sie gesagt haben.

Jahre später hat ein Konzertagent der Band nahegelegt, sie sollten sich „langsam Gedanken über neue Musik machen, weil ich euch sonst nirgendwo mehr unterkriege“, und das habe laut Francis sogar Kim Deal verstanden. Funktioniert habe es leider nicht, also sollte Produzent Gil Norton in England helfen. „Wir nahmen fünf, sechs richtige gute Demos auf – allerdings ohne „Madame“, sie wollte nachkommen“, erinnert sich Francis. Die Stücke nahmen die Pixies schließlich auf, doch danach weigerte sich Kim, auch nur ein Stück mehr überhaupt nur anzuhören. „Es war der Wahnsinn. Gil stand kurz vor dem Nervenzusammenbruch“, sagt Francis über diese Zeit, und obwohl Kim Deal sich kurz danach wieder zu fangen schien, überaaschte sie ihre Bandmitglieder einen Tag darauf aufs Neue. Francis: „Als Joey, David und ich uns am Montagmorgen in unserem Stammcafé trafen, wartete Kim dort schon auf uns. Sie sagte: „Ich fliege heute Abend nach Hause.“ Ich stand einfach auf und ging in den nächsten Pub. Joey dicht hinter mir. Wir waren stinksauer. Bis zum zweiten Bier. Dann dämmerte es uns: „Im Grunde ist das das Beste, was passieren konnte. Sie geht von alleine.“

Habt ihr nicht versucht, sie zurückzuhalten?

Nein. Sie rief zwar noch mal an kurz vor ihrem Abflug und sagte: „Wenn ihr niemand findet, der auf den Tracks spielen kann, dann meldet euch.“ Aber das war das Letzte, was ich getan hätte – nicht nach acht Jahren Ärger. Ich war froh, dass sie weg war.

Habt ihr seitdem noch mal gesprochen?

Nein, nie wieder. Sommer 2012 war das letzte Mal. Ich habe keine Ahnung, wo sie steckt und was sie macht. Es ist mir auch egal.

Ist das jetzt nicht ein bisschen harsch, ihr alle Schuld in die Schuhe zu schieben?

Natürlich klingt das harsch. Und vielleicht ist das wirklich ein bisschen viel auf einmal. Aber Tatsache ist nun mal: Sie hat mir und den anderen sechs Jahre lang das Leben zur Hölle gemacht, uns blockiert. Sie hat uns einen Keil ins Getriebe gesteckt. Sie hat die Diva gespielt. Heute denke ich mir: Hätten wir doch nur früher durchgegriffen. Denn inzwischen wissen wir, dass wir hervorragend ohne sie auskommen und dabei auch viel glücklicher sind.

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Das komplette Interview lest Ihr in der Juni-Ausgabe des Musikexpress – ab 15. Mai 2014 im Handel (mit exklusiver Pixies-Live-EP!) und im App Store.


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