Primal Scream

Das Publikum ist gemischt an diesem, eine halbe Nacht andauernden Tanzabend mit Primal Scream in einer von Londons größeren Hallen: Zu drei Vierteln besteht es aus blutjungen Indie-Kids in Slacker-Montur, zu einem Viertel aus schmerzlich dünnen Bleichgesichtern mit abgeschossenen Samtmänteln und -Hüten. Punkt Mitternacht betreten Gillespie und Konsorten die goldbehangene Bühne: zwei Gitarren, Bass, Drums, Piano sowie ein Lichtblick in Sachen Stimme und Charisma —- die Sängerin Denise Johnson. Scream legen mit den neuen Titeln „Jailbird“ und „Get Your Rocks Off“ los, lassen den Ex-Hit „Movin‘ On Up“ folgen und machen auf Anhieb klar: Hier fehlt was. Flair? Können? Präsenz? Charakter? Ideen? Oder einfach nur Songs? (Perkussion vom Band? Man reiche mir einen Cognac!). Das Hauptproblem ist aber Gillespie selber: sein dünnes Stimmchen, muß man schon sagen, reicht kaum für die Songs, von glaubwürdiger Interpretation ganz zu schweigen.

Genau drei Lichtblicke gibt es trotzdem: „Funky Jam“, „Give Out But Don’t Give Up“ und als Zugabe nochmal „Rocks“. Bei diesen Songs tritt nämlich als Gast der leibhaftige George Clinton auf die Bühne, und DER weiß in der Tat sehr gut, wie man mit ein paar schön gesungenen Gesten selbst die aussichtsloseste Jam-Session in eine tosende Schweißorgie verwandelt. Ob das Bobbie Gillespie wohl auch noch mal lernt?

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