AFI :: Decemberunderground Interscope/Universal

Da rieben sich selbst Experten verwundert die Augen: Mit decemberunderground stiegen AFI als Nummer eins in die amerikanischen Billboard-Charts ein. Es war bekannt, daß Fans von A Fire Inside – viele von ihnen im Club The Despair Faction organisiert – dem Quartett ergeben folgen, aber daß sie derart zahlreich sind, hat kaum einer erwartet. Sänger Davey Havok, bürgerlich David Marchand, hat sogar seinen eigenen Fanclub, die „Church Of Havok“. der die Regel aufgestellt hat, daß seine Mitglieder sich vegan ernähren sollen. Das aktuelle Album ist tatsächlich bemerkenswert, zum einen besitzt es einen „fetten Major-Sound“, zum zweiten ist der für eine Rockband ungewöhnlich variantenreich. Glatter Pop reiht sich an zornigen Metal, flotter Punk folgt kühlem Techno. Immer noch ähnelt Havoks Stimme (gelegentlich von Tiger Armys Nick 13 unterstützt) an den Glenn Danzig der frühen Misfits, immer noch ist die Nähe der Kalifornier zum Pop-Punk spürbar, mit dem sie 1991 begannen. Desweiteren hat die Band jedoch keinerlei Hemmungen zu experimentieren, Syntheziser und Sequencer tauchen ebenso auf wie eine Kirchenorgel und schwelgende Streicher. Hier schimmert ein wenig Bauhaus durch, dort die wieder erstaunlich angesagten Smiths. Inhaltlich wähnen Havok & Co. sich in kalten, düsteren Zeiten, in denen Menschen verlorengehen können. Das Gefühl der Entfremdung, das Havok beschreibt, trifft den Nerv der Gothic-Fans.

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