Brazilian Girls Let’s Make Love


Six Degrees/Indigos

Neues von den Etikettenschwindlern: Zehn Jahre nach der letzten Platte der New Yorker Formation Brazilian Girls stammt noch immer keines der Mitglieder aus Brasilien, noch immer ist Sängerin Sabina Sciubba das einzige „Girl“ in der Band – und noch immer gibt es genug Afterhour-Lokale, die es vor „Café del Mar“-Compilations in Dauerschleife zu bewahren gilt.

Brazilian Girls sind nun wie eine Rooftop-Party mit den richtigen Leuten

Im New Yorker Club „Nublu“, Heimat einer vitalen, polyglotten Musik­szene, hatten Brazilian Girls Anfang der Nullerjahre zusammengefunden. Dort formten sie – Bossa Nova, Tango, Lounge und House verwebend – einen luftdurchlässigen Sexysound, den man vor den postkolonialen Debatten der letzten Dekade ohne Bedenken als „Global Pop“ bezeichnet hat.

Sonnenmüde Bläser wehen auch auf ihrem neuen Werk LET’S MAKE LOVE durch manch einen Song, nie aber klangen Brazilian Girls so Synthie-lastig und powerpoppig wie hier. Hört man die wavige Singleauskopplung „Pirates“, kann man Debbie Harry im Früchtekostüm tanzen sehen, kneift man beide Augen nur doll genug zusammen. Die Schwüle von einst hat sich, gleich einem Sommergewitter, verzogen; Brazilian Girls sind nun wie eine Rooftop-Party mit den richtigen Leuten. Ganz schön clean, aber trotzdem ein Spaß.

Klingt wie: New Young Pony Club: Fantastic Playroom (2007) / Tom Tom Club: Downtown Rockers (2012)


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