Brian Eno Reflection


Warp Records/Rough Trade

In einer Spanne von ungefähr fünf Jahren schaffte es Brian Eno irgendwie immer, sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu befinden. Dort, wo Pop-Geschichte geschrieben wurde oder er das gleich selbst übernahm. In Berlin mit Bowie an der Berlin-Trilogie gearbeitet, das Devo-Debüt und in New York die Talking Heads produziert. In derselben Stadt stürzte er sich in die lärmende No-Wave-Szene und fand noch Zeit, ins Weserbergland zu Cluster zu reisen, um entspannte Sounds zu erschaffen.

Kurz vorher hatte er mit DISCREET MUSIC (1975) ein Soloalbum aufgenommen, das die Basis zu einem Genre legte, als dessen Pionier Eno gilt: Ambient. Genau dort ist REFLECTION tief verankert. Obwohl Enos geistesverwandte Arbeiten THURSDAY AFTERNOON (1985), NEROLI (1993), sowie LUX (2012) hier einfließen, lebt dieses Album, das aus dem 54-minütigen Titeltrack besteht, ein ganz eigenes Leben. Der Titel ist selbsterklärend, Eno nennt diese Music nicht Ambient, sondern „Thinking Music“. Also eine Art Soundscape, die einen bei der Selbst­reflexion begleitet, ohne auch nur eine Sekunde in den New Age zu glitschen.

REFLECTION funktioniert aber nur, wenn man sich eine Stunde wortlos auf diesen Strom an Sounds einlässt, sich mittreiben lässt. Rhythmusfrei fließen lang gedehnte Töne, wechseln Höhen sich mit tiefen Bässen bei stetig wechselnder Lautstärke ab. Dezent eingewobene Nebengeräusche und Klangtupfer tauchen auf, und manchmal wechseln die Kanäle von links nach rechts. Die Dynamik und die Klarheit der Musik dieses Albums sind unglaublich und raumfüllend, und alles, was in den vielen Ambient-Werken von Brian Eno auftaucht, findet sich auf REFLECTION verdichtet wieder.


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