Conor Oberst Ruminations


Nonesuch/Warner

Nachdem Conor Oberst im Herbst 2015 die Tour seines Projekts Desaparecidos aus gesundheitlichen Gründen abbrechen musste, verschlug es ihn für den folgenden Winter in die Abgeschiedenheit seiner Heimatstadt Omaha in Nebraska wo er – zu seiner eigenen Überraschung – eine beachtliche Menge an Songs schrieb und diese innerhalb von 48 Stunden in Eigenregie aufnahm. Das Resultat: Ruminations. Womöglich folgereichtig kommt das Album nun musikalisch ausgewiesen spärlich daher: Nur Piano oder Akustikgitarre sind zu hören, dazu eine gelegentlich eingestreute Mundharmonika. So eintönig die Musik sein mag, umso expliziter sind die Lyrics geraten: Darin singt Oberst von Konflikten „I don’t wanna eat or go to bed/ Try to recall what the therapist said“ („Gossamer Thin“). Oder auch davon, was er sich für einen Tag im lauschigen Nebraska vornimmt: „I just wanna get drunk before noon“ („Barbary Coast (Later)“). Oberst wird sein neues Werk vermutlich nicht ohne Grund Ruminations (deutsch für „Nachsinnen“, „Grübeln“) genannt haben. Es ist ein ehrliches Album, eine Art Offenlegung seiner innersten Gefühle in einer Phase der physischen Schwäche und psychischen Katharsis. Ruminations hat im Übrigen noch eine weitere Bedeutung aus der Zoologie: Dort bedeutet es nämlich „Wiederkäuen“. Eine Doppeldeutigkeit, die es zu beachten gilt, denn: Oberst bedient sich musikalisch deutlich an bekannten Motiven aus der Folk-Historie. Manche mögen so etwas als bloße Ehrerbietung wahrnehmen, andere vielleicht sogar als abgedroschen. Dieses Album dürfte deswegen primär für langjährige Fans des ewigen Folk-Wunderkinds interessant sein. Neulinge können Ruminations denn auch guten Gewissens ignorieren.


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