Der König tanzt Der König tanzt


Fettes Brot Schallplatten/Indigo VÖ: 27.4.

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Damit wäre die Frage „Was machen Fettes Brot jetzt?“ ja wenigstens teilbeantwortet. Der König Boris (Lauterbach) tanzt also. Er tut das in einem Outfit-Mix aus „Clockwork Orange“-Alex, Ace Frehley (alte Kiss) und Bundeswehr-Ausscheider (alte Wehrdienst-Folklore). Das Bemühen, sich von den alten Taten und Bezügen zu befreien, soll auf den ersten Blick deutlich werden. Doch zu welcher Musik tanzt er da, der König? Nun, zu Tanzmusik, Tanzmusik im ureigenen Sinn ist das, was auf dem Solodebüt Lauterbachs zu hören ist. Tatsächlich keine Spuren mehr von HipHop, nicht einmal in dem stark erweiterten Begriff, den sich die Popgruppe Fettes Brot über die Jahre davon gemacht hatte. Doch leider ist das – egal, ob sie sich in großer Beliebigkeit bei 70s-Disco, Pop-House, Studiomucker-Funk oder sonstwo bedient – eine beinahe schlagerhafte Tanzmusik, die an Harm-, Hook- und Witzlosigkeit kaum zu überbieten ist. Die stimmlichen Limitierungen Boris Lauterbachs sind bekannt – er ist eher ein Rufer als ein Sänger. Hier trägt er auf diese Weise Texte vor, die den Wirrwarr unserer Zeit abbilden sollen und deshalb vor allem mit Schlagwörtern um sich werfen, oder in denen die Gesellschaftskritik so lange ausgewogen wird, bis ein Refrain wie „Alles geht bergab, ba-dab-ba-dab-ba-dab“ dabei herauskommt. Etwas besser wird es, wenn Lauterbach kleine Geschichten erzählt – über Beziehungs­sachen. Wohnküchenkrisen. Gefühlshaushaltsschieflagen. Aber keine Frage: Wenn das so weitergeht mit dem Brot-Aufschnitt, werden wir bald schon eine Wiedervereinigung erleben, wie sie damals ja auch ihren großen Vorbildern, den Ärzten, schließlich nicht schnell genug gehen konnte. Denen fehlten auch ganz offensichtlich die anderen zum gegenseitigen Abarbeiten. Key Tracks: „Fotos“, „Katzengold“


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