Die Sterne
WENN ES LIEBE IST
PIAS (VÖ: 9.1.)
Die Hamburger Diskurs-Rocker erforschen zu einem neu entdecktem Groove die gesellschaftlichen Zustände.
Wenn man so zurückblickt, und das tut man ja automatisch, wenn eine altvertraute Band ein neues Album herausbringt, dann stellt man mitunter fest, was man die langen Jahre über nicht ganz vergessen, aber irgendwie verdrängt hatte. WENN ES LIEBE IST bringt wieder in Erinnerung, dass Die Sterne von allen Bands der Hamburger Schule diejenige war, die am besten groovte. Mit Abstand.
Und auf diesen grundsätzlichen Groove verlassen sich Frank Spilker und seine Kollegen diesmal sehr. Es gibt Songs wie „GNZRZND“, die eigentlich gar keine Songs sind, sondern nur ein endlos groovender Groove, über den Spilker Satzfetzen, vielleicht auch mal ein paar gereimte Zeilen wirft. Oder es wird in „Ändern wir je den Akkord“ gegroovt, gegroovt und weiter gegroovt, bis Frank Spilker dann doch noch ins Hoffen kommt: „Vielleicht wäre es gut und die Vernunft würde siegen.“
Ist das noch Postpunk oder schon Krautrock?
Ist das noch Postpunk oder schon Krautrock? Egal, solange Spilker über diesem Groove das tut, was er so gut wie kaum jemand kann: die gesellschaftlichen Zustände aufgreift, nicht analysiert, aber anreißt, in Rollen schlüpft, Fragen stellt und Antworten verweigert, aber vor allem versucht, aus seiner Blase auszubrechen, ohne sie gleich platzen zu lassen. Erforscht wird die Vereinzelung und Depolitisierung des Subjekts („Fan von irgendwas“), die schöne neue digitale Welt („Easy auf Rezept“), toxische Männlichkeit, der Rechtsruck und irgendwie alles („Ich nehm das Amt nicht an“).
Und selbst, wenn es noch mal zurückgeht in die Blase, wenn Spilker in „Ich habe nichts gemacht (außer weiter)“ nicht nur seine eigene Rolle in der Indie Nische rekapituliert, sondern die Band auch den in die Beine gehenden FunkPop aus der Zeit ihrer größten Hits Ende der 90er reaktiviert, verliert sich der Song am Schluss doch in einer scheinbar richtungslosen Improvisation. Folgerichtig endet das Album dann auch mit „Immer noch sprachlos“, konsequenterweise ein Instrumental.
Diese Review erscheint im Musikexpress 2/2026.
 - Stefan Braunbarth.jpg)


