Doctorella :: Drogen und Psychologen

ZickZack/ Indigo

Die Grether-Schwestern wiederbeleben den Diskurs-Pop.

Als sie Parole Trixi auflöste, vermeldete Sandra Grether: „Unsere Mission hat sich, zumindest ein bisschen, erfüllt.“ Acht Jahre später sind die Geschlechterverhältnisse aber immer noch nicht egalitär. Also Auftritt Doctorella, der neuen Band von Sandra Grether und ihrer Zwillingsschwester Kerstin. Schon auf dem Cover von Drogen und Psychologen beginnen die Popfeministinnen mit dem Infragestellen der Zustände und nehmen selbstbewusst eine Gangsta-Rapper-Pose ein. Ansonsten aber, also außerhalb von Doctorella, stellen die Grethers fest, ist die Gleichberechtigung in einem schlechten Zustand. Die Frauen, die ihre Songs bevölkern, sind allesamt erstaunlich unemanzipiert: Sie warten, bis die „Rosen wieder blüh’n“ auf den Prinzen („Lass uns Märchenwesen sein!“), sie zerbrechen sich den Kopf, warum sie verlassen wurden („Mädchen auf der Schaukel“). Doch natürlich ist das alles nicht so einfach: Ironischer Abstand wechselt sich ab mit suizidaler Dringlichkeit, autobiografische Verarbeitung geht über in gesellschaftliche Analyse. Angesichts des Überangebots an Meta-Ebenen wirken der schrammelige Indie-Pop, der die Rrriot-Girl-Rotzigkeit von Parole Trixi mit Chansonhaftigkeit ersetzen möchte, und die unsicher flatternden Stimmen bisweilen etwas amateurhaft.

Key Track: „Die Reichen tragen Schwarz“

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