Filter

Title Of Record

Manche Leute sind schon komisch: Statt sich vom Erfolg seines ’95er Debüts SHORT BUS beflügeln zu lassen, hat Multiinstrumentalist Richard Patrick (ex-Nine Inch Nails) völlig den Faden verloren. Nicht, daß ihm der Ruhm zu Kopf gestiegen wäre, aber seiner Kreativität haben eine Million verkaufte CDs anscheinend unsichtbare Fesseln angelegt. Schließlich ist er ein erklärter Perfektionist, der fast vier Jahre im Studio getüftelt hat, um nur ja den Qualitätsstandard des Erstlings zu erreichen. Und das ist ihm problemlos geglückt: Wo zuvor die Samples und Loops von Sidekick Brian Liesegang dominierten, ist nach dessen Ausstieg höchstens ein synthetischer Unterton geblieben, der sich in dezenten Anleihen bei Drum ’n’Bass („It’s Gonna Kill Me“) und Dance („The Best Things“) äußert. Zudem wagen sich Filter auch schon mal auf akustisches Terrain („Take A Picture“), an psychedelischen Folk („Miss Blue“) oder knüppelharte Rocker. Etwa im Opener „Welcome To The Fold“ oder „I Will Lead You“, das die komplexe Beziehung zu Liesegang aufarbeitet. Überhaupt ist das gesamte Songwriting ein einziger Seelenstriptease: Patrick singt von sich und seinen Leiden, thematisiert unerquickliche Beziehungen, Herzschmerz, Isolation und Wut. Und davon hat der Mann aus Bay Village, Ohio, mehr als genug Aber vielleicht ist es gerade diese permanente Unzufriedenheit, die ihn zu immer neuen Höchstleistungen antreibt. Title Of Record ist eine davon ein abwechslungsreiches Rock-Album mit der nötigen Portion vordergründiger Härte. Play it loud!