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Floating Points, Pharoah Sanders & The London Symphony Orchestra Promises


Luaka Bop/K7 (VÖ: 26.3.)

von

Pharoah Sanders zählt zu den letzten noch lebenden Legenden der frühen Spiritual-Jazz-Szene, als Saxofonist war er Sideman von Alice und John Coltrane, Don Cherry und Sun Ra. Wie formulierte es der Saxofon-Kollege Albert Ayler seinerzeit so schön: „Coltrane war der Vater, Pharoah der Sohn und ich der Heilige Geist.“ Sanders ist im vergangenen Herbst 80 Jahre alt geworden, seit einigen Jahren tritt er nur noch selten als Musiker in Erscheinung, sein letztes größeres Werk erschien vor 15 Jahren. Nun ist er wieder da, und sein Kooperationspartner ist eine Überraschung: Der Brite Sam Shepherd, der unter dem Namen Floating Points seit Mitte der 10er-Jahre atemberaubend gute Electronica-Platten aufnimmt.

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Fünf Jahre lang arbeiteten Sanders und Shepherd an diesem Album, das fraglos als Gesamtkunstwerk betrachtet werden muss: Das Design stammt von der in Äthiopien geborenen New Yorker Malerin Julie Mehretu, deren komplexe Bilder zu den besten (und teuersten) Werken der zeitgenössischen Malerei zählen. Die Streicher des Albums hat das London Symphony Orchestra eingespielt, im seinerzeit von George Martin gegründeten Air-Studio. Selbst hinter dem Label steht ein großer Name: Luaka Bop ist die Firma von David Byrne.

Nun nützt das alles wenig, wenn die Musik nichts taugt. Aber so ist es nicht. PROMISES: Jedes Versprechen wird gehalten. Über 46 Minuten erstreckt sich diese Komposition, unterteilt in neun ineinander übergehende Movements. In den ersten 20 Minuten führt das Saxofon durch eine unwirkliche Landschaft, wird dabei von reduzierter Electronica begleitet. In der Mitte der Suite baut sich der gesamte Klangkörper auf, aus kurzem Kitsch wird gewaltige Dissonanz, dann bricht alles zusammen. Die Elektronik baut die Musik neu auf, Sanders’ Saxofon rückt noch einmal ganz ans Ohr heran, bevor Shepherd einen kosmischfeierlichen Ausklang inszeniert. Überwältigend!


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