Francesco Wilking :: Die Zukunft liegt im Schlaf

Tapete/Indigo

Pop: Der Frontmann von Tele entdeckt den Humor.

Ja, ist anders. Irgendwie aber auch wie immer. Aber doch schon verschieden, wenn Francesco Wilking ein Solo-Album macht. Natürlich hört sich die Stimme von Tele auch auf Die Zukunft liegt im Schlaf immer noch genauso quengelig an. Auch grooven die Kumpelmusiker zwar entschieden akustischer, aber ähnlich entspannt wie seine Stammband. Aber in seinen Texten entwirft Francesco Wilking nun nur noch selten jenes irgendwie linke, prekär-kreative Wir, aus dessen Bauch Tele stets berichteten. Stattdessen rückt ein Ich in den Mittelpunkt. Dieses Ich erlebt lustige Alltäglichkeiten: „Ich hatte heut‘ Geburtstag, zum ersten Mal seit Jahren“. Das Ich lebt sehr im Hier und Jetzt: „Ich google so lange meine Symptome, bis ich weiß: Ich bin wirklich krank.“ Vor allem hat das Ich damit zu kämpfen, dass es nicht mehr das Jüngste ist. Aber diese Erkenntnis kontert Wilking in „Ich werde alt“ mit niedlichen Nihilismus: „Dann sehen wir ja, was kommt. Wahrscheinlich nichts. Aber dann nichts wie hinterher.“ Man merkt: Dem Ich sei Dank hat Wilking den Humor entdeckt. Der kommt ihm, selbst wenn das Ich Pause macht und sich der Sänger in „Der Minister“ ums Seelenheil eines Volksvertreters sorgt, nicht abhanden. Das ist anders. Das ist gut.