Get Well Soon – „MINUS THE MAGIC“: Jackett statt Lederjacke
Ein ehemaliges Wunderkind spielt Midlife-Indie-Rock ohne peinliche Lederjacke.
Konstantin Gropper hat von Beginn an „erwachsene“ Musik gemacht. Jetzt beschreibt das frühere Indie-Wunderkind sein neues Get-Well-Soon-Album als „Musik von Musikern mittleren Alters für Menschen mittleren Alters“ und rockt dabei mit Band so ungezwungen wie sonst nie. „OK“ geht breitwandig und doch schön eingängig nach vorne. „Staying Home“ ist krachig und gradezu aufgekratzt. „When They Cheer You’re Wrong“ klingt nach Interpol auf Speed. Ist das die Midlife Crisis? Es ist zweifelsohne Nostalgie. Und eine neue Direktheit. Aber ohne sich eine peinliche Lederjacke zu kaufen.
Gropper bleibt auch auf seinem „Rockalbum“ (Eigenzitat) der Mann im Jackett – mit Melancholie im Knopfloch, hymnischem Refrain in der Brusttasche und neckischer Krawatte in Form scherzhafter Songtitel. Das atmosphärische „There’s Waldo“ verströmt Weite und Wave, entwickelt nur gegen Ende dezente Wimmelbild-Qualität.
„1999 I bought this guitar“, erinnert sich Gropper in „The Pope Washed My Feet in Prison“ und man meint, die rockigere Version einer alten Pulp-Nummer zu hören. Manchmal fehlt es MINUS THE MAGIC an Schnörkeln, steckt mehr Muff als Magie zwischen den ganzen Gitarren. Aber viele Melodien sitzen, auch mit Mitte Vierzig.