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Hailu Mergia Yene Mircha


Awesome Tapes From Africa/Cargo (VÖ: 27.3.)

Hailu Mergia scheint seinen kleinen und unverhofft zurückgekehrten Ruhm sichtlich zu genießen. Mit 74 Jahren tingelt der Äthiopier durch die Clubs der Welt. Vielleicht wäre das ohne den Jim-Jarmusch-Film BROKEN FLOWERS (2005) mit der tragenden Musik von Mulatu Astatke nicht möglich gewesen. Die aber brachte den Ethio-Jazz zurück ins Bewusstsein und spülte auch Hailu Mergia zurück aus seinem Taxi – mit dem er seinen Lebensunterhalt verdiente – an die Oberfläche.

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YENE MIRCHA, was „meine Entscheidung“ bedeutet, folgt LALA BELU nach nur zwei Jahren. Ein Novum in der verwirrenden Diskografie des Keyboarders, der zusammen mit Astatke die goldenen Jahre im Addis Abeba der 60er- und 70er-Jahre prägte. Astatke brachte durch seine Reisen nach London und in die USA moderne Instrumente ins Land, ein amerikanischer Soldatensender Jazz und Soul. Alles zusammen sorgte für eine Explosion der lokalen Musikszene; wie lässig, cool, elegant es damals gewesen sein muss im Nachtleben der Hochlandstadt, lässt YENE MIRCHA erahnen.


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Dazu ist es allerdings notwendig, den letzten der sieben Instrumental-Tracks zu ignorieren, denn die kitschige „Dibik Fikin“ schmeckt klebrig und unangenehm süßlich. Auch der Titeltrack fällt mit seinen Jazzstandards und einer aufdringlichen Gitarre ab, aber der Rest zeigt Hailu Mergia in prächtiger Form an den Keyboards. Vor allem im rasanten „Abicha Nega Nega“, da fliegt Mergia zu komplexen Rhythmen über die Tasten. Insbesondere das Mitwirken von Setegn Atenaw und seinem traditionellen Saiteninstrument Mesenqo bereichert dieses Album, das sich bis in den Dub-Reggae („Bayne Lay Yihedal“) vorwagt, ungemein.


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