Iceage – FOR LOVE OF GRACE & THE HEREAFTER: Sperrig und trotzdem Ohrwurm
Ultracooler Art-Punk, der schnarrt wie ein entgleister Zug.
Seit nunmehr 15 Jahren veröffentlichen die dänischen Großtalente der emotionsgeladenen Intensivband Iceage ein hochgelobtes Spitzenalbum nach dem anderen – und haben sich im Laufe ihrer Karriere von aneckenden Noise-Jungspunden zu einer glorreichen Rockband entwickelt. Mit ihrem sechsten Werk FOR LOVE OF GRACE & THE HEREAFTER legen Iceage ihr bislang zugänglichstes Album vor. Der Opener „Ember“ ist mit seiner unerwarteten und dennoch organischen Songstruktur leicht zu mögen: Die Gitarren schmatzen und schnarren wie ein entgleister Zug, während sich Frontmann Elias Bender Rønnenfelt tanzend austobt und im Refrain alles aufgehen lässt.
Das bringt uns zur größten Stärke der Platte: So ungewöhnlich diese Rocksongs auch sein mögen – etwa wenn „Salve For Every Sore“ Bluegrass und Post-Punk verbindet oder das Bottleneck-Riff im Closer „True Blue“ fast durchgehend schief klingt –, am Ende wollen sie immer mitgesungen werden. In erster Linie macht dieses (dennoch todernste) Album Spaß – auch, weil es sich auf Bewährtes bezieht, und zwar auf noch originellere Weise als beim Vorgänger SEEK SHELTER (2021).
Kleinteilige Grooves à la Talking Heads tauchen ebenso auf wie das randalierende Highlight „The Weak“, das zu großen Teilen auf einem klassischen Blues-Schema basiert und dennoch frisch wirkt. Denn letztlich zählen die Songs – und die sind auf FOR LOVE OF GRACE & THE HEREAFTER eigentlich immer sehr, sehr gut. Dazu noch simple Wahrheiten an jeder Ecke: „Life is for the weak“, heißt es lautstark. Zum Mitsingen.