Iron & Wine
HEN’S TEETH
Sub Pop/Cargo (VÖ: 27.2.)
Sam Beams Indie-Folk entwickelt ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Als Sam Beam vor einem Vierteljahrhundert sein Projekt Iron & Wine startete, war er einer dieser amerikanischen Schrate, die lieber alles selbst machten, als mit anderen über ihre Gefühle reden zu müssen. Beam war damit in bester Gesellschaft, Jason Molina, Bill Callahan oder Will Oldham taten es ähnlich.
Acht reguläre Alben sowie viele Kooperationen später hat sich Iron & Wine zu einem Community-Projekt entwickelt. Bei den neuen Aufnahmen halfen zum Beispiel die drei Musikerinnen des Bluegrass-Trios I’m With Her mit, bei vier Liedern übernimmt Beams Tochter Arden die Backing-Vocals. Der Ex Schrat steht also längst im Mittelpunkt einer Gemeinschaft aus Freunden und Familie. Was sein schratiges Ex-Ich wohl über diese Zukunftsaussicht gedacht hätte? Unmöglich, wie eine Henne mit Zähnen! Und doch gibt es dieses Album, weshalb Sam Beam ihm den Titel HEN’S TEETH gegeben hat.
Die Lieder erzählen facettenreiche Geschichten über das körperliche wie geistige Verschmelzen von Menschen. Entsprechend klingt die Musik zärtlich und opulent. Bei „Roses“ folgt auf einen schönen Part mit Streichern eine dornenreiche Coda, bei „Singing Saw“ klingt Beam kurz wie Prince, „Grace Notes“ erinnert an die nah am Wasser gebaute Frühphase von Iron & Wine. Das Highlight ist „Dates And Dead People“, ein gespenstisch gutes Lied über den ewigen Kreislauf des Lebens und der Liebe.
Diese Review erscheint im Musikexpress 3/2026.



