Jack White – FROZEN CHARLOTTE: Sequel mit Suchtpotenzial
Rückgriff aufs Bewährte, also die Vintage-Blues-Punk-Wucht.
Wer sich am 8. und 9. Juni die zwei Teile der Online-Doku „Third Man Release Lap“ anschaute, bekam den Firmenboss Jack White zwar kaum zu sehen, über die Arbeitsprozesse seines Labels mit angeschlossenem Presswerk sprachen andere. Es gab aber bereits ein paar Hinweise darauf zu sehen, was dann am 10. Juni geschah: Jack White kündigte sein neues Album FROZEN CHARLOTTE an. „Manchmal fühlt sich das beste Marketing gar nicht wie Marketing an“, heißt es in der Doku. So ist es wohl. Es ist schon ein Stunt, die halbe Belegschaft für eine Doku zu mobilisieren, die sich dann als Promotion-Tool für die neue Platte des Chefs erweist.
Aber White hat gerade auch einen Lauf: 2024 gelang ihm mit dem Album NO NAME die Revitalisierung seiner Solokarriere. Eine so wuchtige Platte hatte er lange nicht mehr produziert, auch das Songwriting gelang grandios. Der Lohn: Grammy-Nominierung, Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame. White ist ein Abenteurer, doch für FROZEN CHARLOTTE griff er noch einmal auf das Bewährte zurück: Das Album wirkt wie ein Sequel zu NO NAME. Zu hören ist White mit einer kleinen Kernband, gespielt wird Punk-Blues, rau und wuchtig.
„You’ll Never Fix Me“ drückt aufs Tempo, „There’s Nobody There“ verschleppt, „Nobody Knows“ ist vertrackt, „I Can’t Believe What I’m Hearing“ klingt wie aus den 60ies in die Gegenwart gekegelt. Gäbe es nicht den ersten und letzten Song, wäre FROZEN CHARLOTTE etwas eintönig. So aber rahmen mit „G.O.D. And The Broken Ribs“ und „Neighbors Blues“ die beiden besten Songs das Album ein: Sprechgesang-Psych-Blues mit direkten Draht zu Paradies und Hölle, sehr einnehmend und süchtig machend.