Spezial-Abo

Lambchop Showtunes


City Slang/Rough Trade (VÖ: 21.5.)

von

Langweilig waren die letzten Jahre mit Lambchop nicht. Nachdem Kurt Wagners Kollektiv 2012 an seine Grenzen gestoßen war, weil sich die Valium-Americana nicht weiter perfektionieren ließ, erfand sich der Bandchef als Digi-Nerd neu: Vocoder statt Slide-Gitarre, Lambchop-Alben klangen nun wie Remix-Platten. 2020 erschien eine Cover-Platte, was häufig auch eine Warnung ist: Uns fällt sonst nichts ein.

🛒  SHOWTUNES bei Amazon.de kaufen

Aber von wegen, SHOWTUNES ist nach dem meisterlichen IS A WOMAN von 2002 die zweite Piano-Platte der Lambchop-Diskografie. Während damals mit Tony Crow ein Profi am Klavier saß, hat Autodidakt Wagner den Job hier selbst übernommen – mit Hilfe digitaler Methoden, die Töne und Texturen formbar machen wie weichen Knetgummi.

Manchmal wünscht man sich im Strom der Musik jemanden, der zupackt

Jeder, der will, kann heute ein Pianist sein. Und Kurt Wagner wollte! Wobei er das Klavier manipuliert hat: Das Instrument leitet nicht durch diese Songs, sondern ist Bestandteil eines Sounds, der keinen Halt finden will. Es ist fast unmöglich, bei einem Stück wie „Fuku“ den Kern zu finden: Beats verschwinden, Trompeten setzen ein, der Kontrabass schiebt an, das Piano umspielt das alles – die Stimme kommentiert. Freischwebende Musik.

Bei „Unknown Man“ wird erkennbar, dass sich Kurt Wagner bei der Konstruktion der SHOWTUNES Hilfe aus dem Bon-Iver-Camp geholt hat: Ryan Olson (Poliça, Gayngs) und Digital-Komponist Andrew Broder sorgen für Entfremdungsklänge, die aus intimen Momenten Identitätsstörungen machen. Manchmal wünscht man sich im Strom der Musik jemanden, der zupackt.

Kurt Wagner will dieser Jemand nicht sein. So fließt SHOWTUNES eine gute halbe Stunde dahin, und weil man sich im Anschluss an Dutzende Stellen entsinnt, die man noch mal erleben möchte, ohne auch nur die leiseste Ahnung zu haben, wo und wann sie zu finden sind, hört man SHOWTUNES halt immer wieder: Ein Album fürs Suchen, nicht fürs Finden.


ÄHNLICHE KRITIKEN

The Antlers :: Green To Gold

Shoegaze-Americana für Veranda-Abende in der letzten Woche im September.

The Paper Kites :: Roses

Ringelpiez mit Gastsängerinnen:Americana-Pop ohne Stacheln.

PeterLicht :: Beton und Ibuprofen

Klug, lustig, kritisch: Neues vom Indie-Pop-Meister der Republik.


ÄHNLICHE ARTIKEL

„People Festival“: Am Wochenende könnt Ihr den Film zum Event kostenlos streamen

Die Veranstaltung, die im Berliner Funkhaus im Sommer 2018 stattfand, brachte Artists wie Feist und Henning May in einmaligen Konstellationen zusammen. Jetzt kommt der Film zum Festival online heraus.

COPYCAT KILLER: Phoebe Bridgers kündigt neue EP an

Zuletzt gab Phoebe Bridgers die Gründung ihres eigenen Labels bekannt. Nun hat die Indierockerin eine weitere gute Nachricht im Gepäck.

Arcade Fire spielen neuen Song bei Stephen Colberts Wahlnacht-Show

Der neue Song „Generation A“ mit der wiederkehrenden Zeile „I Can't Wait“ klingt wie eine Mischung aus The Who und den guten alten Arcade Fire. Wenn das ausnahmsweise mal keine guten Nachrichten sind.


Das sind die 10 erfolgreichsten Musiker*innen auf Instagram
Weiterlesen