Lykke Li – „THE AFTERPARTY“: Schwermut trifft Streichorchester
So pompös klang der Schwermut-Pop der Schwedin noch nie.
Als Anfang der Zehnerjahre der belgische House-DJ The Magician ihren Song „I Follow Rivers“ remixte, avancierte Lykke Li zum internationalen Star. Dabei hatte der Großraum-Club-Sound nur wenig mit der ausgestellten Melancholie und oft fragilen Musik der heute 40-jährigen Künstlerin zu tun. Allerdings hat Lykke Lis manchmal entrückter Gesang auch schon zu Beats aus der Schmiede von Mark Ronson eine gute Figur gemacht.
Ihr sechstes Album THE AFTERPARTY ist nun überraschend maximalistisch, ja, cineastisch ausgefallen: Ein 17-köpfiges Streichorchester, Flöten und Bongos sorgen für eine opulente Klangästhetik. Auch wenn es leise Momente noch gibt, wagt sie dieses Mal große Gesten und erinnert im Stück „Happy Now“ fast an ABBA, anderswo gewollt an Vivaldi: Max Richters Bearbeitung von „Die vier Jahreszeiten“ wird nämlich in der mitreißenden Single „Lucky Again“ gesamplet.
Das Disco-Lied ist eine Art Stoßgebet: „Lord, I don’t know how, and I can’t say when / If we’re lucky, we’ll get lucky again“, singt die Gefühlsforscherin hier. Es geht um flüchtiges und intensives Glück, aber auch um Verzweiflung und Scham. Doch Traurigkeit kann auch ein Segen sein, um hier einen alten Songtitel der Rilke-Leserin zu zitieren. Doch heute übersetzt Lykke Li diese Weisheit in euphorische Disco- und sogar atmosphärische Noise-Pop-Songs.