Lykke Li Eyeye


PIAS/Rough Trade (VÖ: 20.5.)

von

Der Dogma-Film war ja mal eine dänische Idee. Li Lykke Timotej Zachrisson ist Schwedin, aber borgt sich das Konzept für ihr fünftes Album als Lykke Li. Kein Clicktrack, der das Tempo vorgibt, wurde für EYEYE verwendet, keine digitalen Klangerzeuger, aber dafür ein Billig-Mikrofon. Das Ergebnis ist folgerichtig sehr direkt, sehr intim, sehr fragil. In „You Don’t Go“ zählt Li die Nächte und die Tränen, man kann die Finger über den Gitarrenhals rutschen hören, und sie fragt: „Do you not feel? I feel I can’t take it anymore.“

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Nur eine gute halbe Stunde dauern die acht Stücke insgesamt, aber so ganz traut Lykke Li ihrem eigenen Dogma-Konzept
nicht, denn zusammen mit Peter-Bjorn-and-John-Bassist Björn Yttling, der schon ihre ersten drei Alben produziert hatte, legt sie dermaßen viel Hall auf die Stimme, als wollte sie ihren Status als Pop-Prinzessin dann doch nicht ganz infrage stellen und die neu gewonnene Unverstelltheit gleich wieder in Watte packen.

Andererseits ist gerade dieser Kontrast faszinierend: Manche Stücke scheinen auszubrechen wollen aus dem Korsett, können sich kaum im Zaum halten, und die Melancholie erscheint eher brüchig. EYEYE ist wie ein Teenager, der sich diesen schicken Kurzmantel in der Trendfarbe Beige zugelegt hat, aber darunter dann doch noch das T-Shirt in Kreischgelb trägt.


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