Makaya McCraven Deciphering The Message


Blue Note/Universal (VÖ: 19.11.)

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In der Bildenden Kunst ist es ja so, dass Gebäude oft erst jahrelang saniert, von Schimmel und maroden Böden befreit werden müssen, damit die alten Meister darin für die Öffentlichkeit wieder sichtbar werden können. Jazzdrummerproducer Makaya McCraven hat selbst aufgeräumt und seine Meisterschau digital aufgestellt. Der Musiker aus Chicago sampelt aus favorisierten Blue-Note- Tracks von Art Blakey, Kenny Dorham, Hank Mobley, Clifford Brown, Bobby Hutcherson und Eddie Gale, er lässt Musiker seiner Band (u.a. Jeff Parker und Junius Paul) Instrumentalparts neu spielen und baut aus beiden Elementen Bricollagen.

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Ganz ähnlich hatte er aktuelle Liveaufnahmen und Loops auf seinen bahnbrechenden Alben für das Label International Anthem organisiert. Direkte Vorstudie für DECIPHERING THE MESSAGE ist seine „Reimagination“ von Gil Scott Herons letztem Album WE’RE NEW AGAIN (2020). Diesmal spielt er mit klasssischen Jazz-Altertümchen – und man merkt‘’s erst gar nicht. Die Basistracks stammen hier aus verschiedenen Blue-Note-Epochen, eine Achse zieht sich entlang der Entwicklung von Be- in Hard- und Post-Bop; in McCravens Bearbeitung aber verschwimmt die Zeit, in die Fluchten von Original, Sample und Neueinspielung fällt die Stimme „Pee Wee“ Marquettes, einst Zeremonienmeister des New Yorker „Birdland“.

Eddie Gales „Black Rhythm Happening“ wird in McCravens Version jetzt zu einem Big- Beat-Club, der die Spätsixties-Partystimmung des Originals nur noch verstärkt. Herbie Hancocks getupftes Piano aus Bobby Hutchersons „Tranquility“ (1966) vereint sich mit Greg Wards frisch abgefahrenen Saxofon-Serpentinen in einem leicht surrealen Klangraum, der ein Türöffner für die Entdeckung der Originale sein kann. So lässt sich die Arbeit McCravens interpretieren, sie ist aber sicher auch der schieren Lust an der Kommunikation via Musik geschuldet. Sie bringt etwas in Bewegung. Blue Note on the move.


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