Martin Kohlstedt – „KLUFT“: Schwermut statt Ekstase
Das Neoklassik-Phänomen wird immer melancholischer.
Martin Kohlstedt wird wehmütiger. Der Komponist und Musiker aus Weimar füllt problemlos große Venues mit seinen Klangreisen, die er gern aus dem Nichts auf Klavier, Keyboards und Samplern improvisiert. Die steigern sich live stets vom tastend Leisen ins überwältigend Grandiose, immer mehr Klangebenen, Melodiebögen und Rhythmuspattern werden übereinander gelegt, bis ein hypnotischer Sog zwischen Dancefloor und Filmsoundtrack entsteht.
Auch im Studio improvisiert Kohlstedt, aber muss nicht dermaßen effektheischend agieren, sondern kann sich in Zwischentöne und mildere Stimmungen vertiefen. Auf seinem siebten Album KLUFT findet sich immer noch kein Gesang, aber immer mehr Stücke neigen sich der Schwermut zu, verzichten auf die Ekstase, mitunter arbeitet Kohlstedt gar mit Field Recordings.
Nicht nur in „MEM DEZC62539321″ oder „PLU DEZC62539316″ beobachtet Kohlstedt fast verwundert wenige elektronisch erzeugte Töne, lässt sie mitunter sekundenlang allein im Raum stehen und lauscht entspannt ihrer Wirkung nach. Es gibt noch Tracks wie „RAH DEZC62536474″, die sich ins Machtvolle steigern, aber der Trend ist unüberhörbar: Martin Kohlstedt wird immer melancholischer.