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Masayoshi Fujita Bird Ambience


Erased Tapes/Indigo (VÖ: 28.5.)

von

Masayoshi Fujita hat die überaus seltene Gabe, immer wieder Instrumente auszugraben, von denen man gar nicht wusste, dass man sie vermisst hatte – ohne die man dann aber, Fujita lauschend, nicht mehr leben will. So ging es schon mit dem einst ab den 1930ern für den Jazz so wichtigen, aber zwischenzeitlich in der Versenkung verschwundenen Vibraphon, das der japanische Multi-Perkussionist prominent für seine Vibraphon-Trilogie präparierte und einsetzte, die sich aus den hoch gelobten Alben STORIES (2012), APOLOGUES (2015) und dem grandiosen BOOK OF LIFE (2018) zusammensetzt.

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Der Clou am Vibraphon ist ja, dass sich zwischen den Klangplatten aus Metalllegierung und den akustischen Verstärkerröhren Scheiben drehen, die sich per Motor bewegen lassen – um so den Signature Sound, das Vibrato, zu steuern. Das macht Fujita auch auf seiner neuen Platte noch, aber vor allem hat er, der er ursprünglich vom Schlagzeug kommt, die Marimba für sich entdeckt – oberflächlich ein dem Vibraphon nicht ganz unähnliches Gerät, aber mit spürbar wärmerem, nämlich hölzernem Klang ohne die komplexe Metallmotorik.

Das passt zu seinem Wegzug von Berlin in ein japanisches Bergdorf, auch wenn die Platte noch gerade so in Berlin entstanden ist – ein Nachklang davon sind womöglich die Electronica- Noises, von Fujita selbst produziert. Auf Harmonien, auf die sogar Jóhann Jóhannsson neidisch sein könnte, bettet Masayoshi Fujita also sein Spiel mit den zauberschön melodischen Perkussionsinstrumenten. Das Ergebnis ist in etwa so hypnotisch und heilsam wie eine Matcha-Zeremonie am Rande eines japanischen Steingartens. Nur halt mit Marimba statt mit Matcha.


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