Nnamdï Please Have A Seat


Secretly Canadian/Cargo (VÖ: 7.10.)

von

So, erst mal hinsetzen. PLEASE HAVE A SEAT fordert Nnamdï Ogobonnaya mit seinem vierten Album, damit er uns vorführen kann, was er draufhat. Und das ist nicht wenig, denn diese musikbesessene One-Man-Band schafft es mühelos und ohne zu nerven, 23 verschiedene Genres in einen Song zu zimmern. Der Opener „Ready To Run“, ein im Witch House verzaubertes Neo-Soul-Stück von höchster Intimität, führt erst mal auf die falsche Fährte.

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Denn was zunächst folgt, sind vier Songvignetten, mal Indie-Pop, mal Rap, mal smoother R’n’B, mal Prog-Rock, die uns innerhalb ihrer Zwei-Minuten-Grenzen mit je einer Überraschung erfreuen. Sei es mit einer neuen Melodie, einem beknackten Jingle oder wunderschönen Vocal-Harmonien. Und dann startet die Nnamdï-Show erst richtig durch. Wie etwa mit „Anxious Eater“, das zwischen Black-Midi-artigem Gniedelgitarren-Vollalarm und Auto-Tune-Soul seine Richtung achtmal ändert.

Wenn es zu verkopft zu werden droht, sprudelt eine unwiderstehliche Hook aus seiner Ideenfontäne. Nur, um den Song dann um 360 Grad zu drehen. Alles selbst geschrieben, gespielt, gesungen, produziert – außer „Dedication“, auf dem er einige Gastsänger*innen beschäftigt. Sind das akademisch konstruierte Kompositionen? Oder Indie-Soulsongs für Hochbegabte? Von beidem etwas, Nnamdï ist ein virtuoser Verwirrer, der sich aus einem Supermarkt voller Zutaten bedient. Seine womöglich wichtigste: Humor. Den verliert er auf PLEASE HAVE A SEAT zum Glück nie.

Autor: Michael Prenner


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