Paul McCartney – „THE BOYS OF DUNGEON LANE“: Der Fab One, ungebremst
Ein agiles Alterswerk des wichtigsten Rockstars der Geschichte.
Als Artwork das Liverpooler Straßenschild der Dungeon Lane, stellvertretend für den Kiez, in dem sich Paul McCartney und John Lennon vorm Weltruhm herumtrieben, gibt das nostalgische Konzept des neuen McCartney-Albums vor: eine „Sentimental Journey“, um die Debüt-LP von Ringo Starr zu zitieren, der hier auf „Home To Us“ trommelt und – erstmals mit einem anderen Beatle (und nach etwas Zoff hinter den Kulissen) – im Duett singt. Doch der fast fragile Sound der Single führte in die Irre: Abgesehen vom finalen „Momma Gets By“, einem thematischen Sequel zu „Lady Madonna“, spielt sich das Album im Mid- bis Up-Tempo-Bereich ab.
Im Haken schlagenden „As You Lie There“ und dem Potenzrocker „Come Inside“ entlockt der 83-Jährige seiner ein wenig brüchig gewordenen Stimme sogar Screams wie aus „Helter Skelter“-Zeiten. Oder hat Produzent Andrew Watt getrickst? Und selbst wenn? Bevor uns KIs mit Maccandroiden quälen, ist es ein Wunder, dass es überhaupt noch ein Album mit Beteiligung des Meisters gibt – und der sogar den Großteil der Instrumente selbst eingespielt hat.
Manche Songs wie „Ripples On A Pond“ mögen Throwaway-Charakter haben, doch ihnen stehen starke Stücke wie die Folknummer „Salesman Saint“ gegenüber. Und mit hübsch spinnerten Momenten wie dem Outro von „We Two“ und dem plötzlichen Hardrock-Ausbruch im schunkeligen „Mountain Top“ erinnert der Fab One daran, dass er es war, der für die radikalsten Moves im Katalog der Beatles verantwortlich zeichnete. Um das zentrale Wort der ersten beiden Lieder hier aufzugreifen: Forever. Paul McCartney forever.