Pet Shop Boys Super


X2/Kobalt/Rough Trade

„Hoch die Hände, Wochenende!“ Mit diesem Slogan beginnt das 13. Album der Pet Shop Boys natürlich nicht, aber es könnte aus zweierlei Gründen genau so anfangen. Zunächst einmal, weil „Happiness“, das das Album einläutet, ein stark vom 90er-Jahre-Dance beeinflusstes Großraumdiscomonster ist, das stark nach Freitagabend riecht. Zum anderen, weil das Album SUPER heißt, was Chris Lowe angeblich nicht aus dem Englischen oder Lateinischen, sondern aus dem Deutschen extrahiert hat. Das Album startet stattdessen mit dem Slogan „It’s a long way to happiness, a long way to go. But I’m gonna get there, boy, the only way I know.“

Maximale Euphorie, die der Musik den Vortritt vor der eventuellen Botschaft lässt und einige Federbälle in die Luft wirft, die im weiteren Verlauf des Albums immer wieder pariert werden, etwa in „Groovy“, „Pazzo!“ oder dem vorab ausgekoppelten „Inner Sanctum“. Groß überraschend sind diese mit Stuart Price produzierten Stücke nicht, eigentlich setzen sie das fort, was die Pet Shop Boys auf dem Vorgängeralbum ELECTRIC taten. Sie öffnen aber immer sehr angenehm einige Hintertüren, einige Querverweise in den eigenen Katalog und in fremde Werkskörper. Interessant: Auch die Songs, die eher klassisch angelegt sind, werden als strobogeile Disco-Tracks verkleidet, etwa das eigentlich stark bewölkte „The Dictator Decides“ mit seinen Insights in das Gedankenleben des finsteren Proto-Alleinherrschers oder „Twenty-Something“, das angenehm manieriert die Nöte und Befindlichkeiten der kontemporären Großstadtjugend abpaust.

Nur kurz, nämlich in „The Pop Kids“, fragt man sich: Ist das jetzt noch relevant? Oder doch Gebäck vom Vortag? Beides trifft zu, eigentlich spielt es aber keine Rolle, weil der Song in wenigen Sätzen erklärt, worum es im Pop überhaupt geht, diesem Spiel aus Love, Arroganz und Leidenschaft: „We were young but we were so sophisticated. Telling everyone we knew that Rock was overrated.“ Stimmt total.


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