Peter Maffay :: Lange Schatten

Mellencamps LONESOME JUBILEE war eine seiner Lieblings-LPs im vergangenen Jahr. Dem versucht Maffay nun auf seinem Doppelalbum LANGE SCHATTEN Rechnung zu tragen, indem er seinen neuen Sideman Tony Carey produzieren ließ und – leider sehr verhalten – Instrumente wie Melodica, Mundharmonika (u.a. John Mayall), Tambourine und sogar Akkordeon (Lydie Auvrey) in den Gruppensound integrierte. Mag auch Maffay damit dem ursprünglichen Rock’n‘ Roll-Idiom näher gekommen sein, so ist er doch von Cougar etwa so weit entfernt wie Ute Lemper von Liza Minelli. Versuchen wir dies lapidar mit Mentalitätsunterschieden zu erklären. Denn deutsch und Rock n‘ Roll geht noch immer schlecht zusammen.

Zum Positiven: Titel wie „Nie wieder Sieger sein“ und „Du bist nie der Kassierer“ grooven für ne heimische Kapelle ganz passabel; „Versuchs doch mal mit mir“ swingt sogar. „Zehn Stunden“ ist ein federnder Rock ’n‘ Roll-Titel – und „Ringelpietz“ kerniger Rhythm & Blues. Dem Wunsch nach mehr Authentizität steht letztlich aber das treudeutsche Bemühen der Musiker entgegen, immer sauber und gut zu musizieren. Da bleibt Spontaneität auf der Strecke, alles klingt wieder einen Tick zu bieder und brav.

Zum Negativen: Da stört noch immer gesanglich der Maffay-Knödel und vor allem die Texte. Obwohl er längst auf andere Schreiber zurückgreift (Brozat, Zentner, Rottschalk), bleibt das, was man ihm da angeblich auf den Leib schneidert, das große Manko jeder Maffay-Platte. Zwischen politischem Sendungsbwußtsein („Viel zu spät“) und Macho-Gehabe („Versuch’s doch mal… „) gibt es so manche Ungereimtheit, was Moral und Chauvinismus betrifft. Und auch genügend Peinlichkeiten.