Raison So viele Leute wie möglich


Buback/Indigo (VÖ: 17.6.)

von

Egal, wie man Raison einordnen möchte – Allstar-Projekt oder doch eher Covid-geschuldete Reduktion –, die politische Stoßrichtung ist die zu erwartende. Schorsch Kamerun, PC Nackt und Mense Reents schauen mit SO VIELE MENSCHEN WIE MÖGLICH nicht nur von links auf diese Welt, in der sich gerade solche Kategorien wie Links und Rechts verschieben, sondern wollen – ganz im Marx’schen Sinne – die Verhältnisse auch verändern. Folgerichtig die Wahl der Coverversion „Allein machen sie dich ein“, der Aufruf an die Unzufriedenen, sich zu organisieren, um etwas erreichen zu können.

Fast geisterhaft wirkt diese Musik

Aber – und hier kommt dann doch die Überraschung – aus dem schunkelnden Ton-Steine-Scherben- Klassiker wird ein Requiem, das nahezu stillsteht, ein spartanisch instrumentierter Abgesang. Goldene-Zitronen-Mastermind Kamerun dürfte kaum jemals weiter entfernt gewesen sein vom Punk, nur manchmal scheint sein Theaterbackground durch, und auch die Gäste wie Sophia Kennedy oder die Schauspielerin Yodit Tarikwa können nicht verhindern, dass die Reduktion regiert.

Fast geisterhaft wirkt diese Musik, zweifelnd, vorsichtig sich durch den Nebel der Gegenwart tastend, als wollten die Songs wie „Aktien und Effekte“ oder „Schöner Moment ohne Rassismus“, die schon im Titel nahezu alles erzählen, wenn schon nicht die linke Haltung generell, aber doch ihre eigene Selbstsicherheit hinterfragen. Ein Album, das die Verunsicherung in linken Kreisen brillant auf den Punkt bringt, ohne sie ausdrücklich zu thematisieren.


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