Richard Ashcroft Acoustic Hymns Vol 1


RPA/BMG (VÖ: 29.10.)

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Die größten Momente von Richard Ashcroft (und seiner Band The Verve) waren immer jene, in der die Großballade eine Brechung erfuhr: Deswegen mag das 1997 erschienene URBAN HYMNS das erfolgreichste Album Ashcrofts sein; das beste ist es lange nicht, diesen Titel hat der Vorgänger A NORTHERN SOUL auf immer abonniert. Es ist zu bedauern, dass wir dessen Großhits „History“ und „On Your Own“ hier nicht hören, gleichwohl ist es kommerziell verständlich.

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Ashcroft eröffnet die Sammlung natürlich mit dem Klassiker „Bittersweet Symphony“, auch „Lucky Man“ und „Sonnet“ finden sich, des Weiteren tradierte Solo-Erfolge wie „A Song For The Lovers“ und „C’Mon People (We’re Making It Now)“, das hier aber in einer (zumindest für Freunde des 90er-Jahre-Britpops) ganz beglückenden Version kommt: Liam Gallagher singt mit. Das gibt dem Song – nun nicht unbedingt Schmutz mit, wohl aber eine gewisse Lässigkeit, die leider nicht das gesamte Projekt trägt.

Das latent Angedruffte von The Verve verschwindet über weite Strecken völlig zugunsten Lesebrillen- und Lagerfeuerhaftigkeit

Richard Ashcroft spielte alle Songs neu ein, was mal großartig klingt; „Bittersweet Symphony“ etwa, man hätte es ja nicht gedacht, gewinnt durch das Ersetzen seines Samples durch echte Streicher. An anderer Stelle allerdings hilft auch der Verweis auf all die großartigen Musiker, die hier mitwirkten und die ansonsten mit den Rolling Stones, mit Leon Bridges oder mit den Allmann
Brothers musizieren, nichts, winkt man auch den Hinweis auf die legendären Abbey Studios als Aufnahmeort durch.

Zu oft erschöpft sich der in den Zeiten der Pandemie überlegte Ansatz eines Akustik-Albums in sehr beflissenem, halt ein wenig schöner, bisweilen auch etwas muckerhafter als früher nachgespieltem Britpop. Das Verrückte, das latent Angedruffte, das auch immer Bestandteil von The Verve war, verschwindet über weite Strecken völlig zugunsten Lesebrillen- und Lagerfeuerhaftigkeit. Aber mit der wird man am Ende auf eine eigenartige Art und Weise versöhnt: Ashcroft gibt „The Drug’s Don’t Work“ („Like a cat in a bag, waiting to drown“, gibt es eine traurigere Textzeile?) als fast Disney-hafte Ballade für den letzten Vorhang.


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