Ry X Unfurl


Beim nächsten Konzert mal nachfragen, was für Menschen das eigentlich sind, die Ry X so richtig geil finden. Diesen schwebenden Electro-Folk ganz gern zu haben, ist ja kein Problem, er tut so wenig weh wie eine Wattebauschschlacht auf Boxspringbetten, ein zu großer Schluck aus der Bionade-Flasche, eine Radtour mit Dauerrückenwind.

Aber wie tickt jemand, für den das die absolute Lieblingsmusik ist? Ich stelle mir zufriedene Menschen vor, die das Konzept Glück schon vor Jahren abgelegt haben, weil sie keine Lust mehr auf die Wunden haben, die das Scheitern hinterlässt. Menschen, die eine schöne Aussicht genießen können, ohne darüber bei Instagram zu erzählen, nach zehn Minuten dann aber auch weiterwollen. Menschen, die noch CDs kaufen, Reisebüros nicht meiden und Wert auf ihre Datensouveränität legen. Menschen, die wenig Fehler machen – und vielleicht an Ry X schätzen, dass dessen Lieder zwar von Schwäche handeln, aber dennoch makellos sind. Im Grunde geht UNFURL vollkommen okay.

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Aber je mehr Zeit man mit dem Album verbringt, desto ermüdender wird diese Musik. „Zufriedenheit ist der Schlüssel zum Glück“, steht auf einer Kitschkarte in der Buchhandlung um die Ecke. Glatt gelogen, denkt man, lässt sich matt aufs Sofa fallen, hört das Lied „Hounds“ und schaut so aus der Wäsche, dass das Gegenüber fragt: „Gut zufrieden heute, was?“

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Ry X neues Album „UNFURL“ hier im Stream hören:


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