T-Bone Burnett – Trap Door

„Mini-LPs“ mit fünf oder sechs Songs sind in USA der letzte Schrei. Natürlich stecken handfeste ökonomische Interessen hinter dieser Masche. Die Produktionskosten werden gedrückt, ein Flop läßt sich eher verkraften, aber der Künstler ist Markt-präsent. Bei T-Bone Burnett und Tonio K. (siehe ME 11 ’82) kann man froh sein, daß ihre Qualitäts-Songs mittels dieses Marketing-Schachzuges nicht in den Schubladen verstauben müssen.

Beide Mini-LPs schüren aber den Appetit auf mehr. Gitarrist T-Bone Burnett, ein Drittel der legendären Alpha Band, produzierte sechs Songs, die den Standard seines glanzvollen 80er-Albums TRUTH DECAY noch um einiges übertrumpfen. Mit Unterstützung seines Alpha-Kumpels David Mansfield (g), David Miner (bs) und David Kemper (dr) produzierte T-Bone-Meisterwerke, die fast sämtliche Rock-Kompositionen anno ’82 aus Kalifornien in die Ecke fegen.

TRAP DOOR startet mit dem Up-Tempo-Folkrocker „Hold On Tight“: saftiger Marschier-Rhythmus, Nasal-Gesang, pointierte Gitarren-Riffs. Es folgt Marilyn Monroes berühmte Film-Arie „Diamonds Are Girls Best Friend“ von 1953. Statt unterkühltem Blondinen-Sex bietet Bumett hier griffigen Rock. Schlußpunkt: Eine aufgekratzte, rauhe Gitarren-Version von „I Wish You Could Have Seen Her Dance“.

Die Dostojewski-Kurzgeschichte „Dream Of A Ridiculous Man“ lieferte die Idee zu „A Ridiculous Man“, einer Rocknummer im Fahrwasser des Beatles-Songs „Paperback Writer“ (wie auch die Ballade „Poetry“ sehr an die FabFour erinnert). Das glanzvolle Finale heißt „Trap Door“ – gesprochene, ironische Poetik zu gebremstem, verschlepptem Rock-Rhythmus.

Warum, liebe WEA, wird ein solches Meisterwerk nicht in diesem unseren Lande veröffentlicht?