The Düsseldof Düsterboys Duo Duo


Staatsakt/Bertus (VÖ: 7.10.)

von

Das gibt es im deutschen Pop nur einmal: Zwei Typen, die zwei Bands bespielen, die beide völlig gleichberechtigt erscheinen. Pedro Crescenti und Peter Rubel kennt man von International Music. Die Arbeit mit The Düsseldorf Düsterboys, die mit NENN MICH MUSIK 2019 ihr Debüt veröffentlichten, verfolgen sie ebenfalls mit einer immer angenehmen Mischung aus aufrichtigem Ernst und subtilem Humor. Im Vergleich zum Vorgängeralbum haben sie auf DUO DUO ihre Klangräume ausgebaut. Zwar bleibt das Grundprinzip ähnlich – es geht um Introspektion, um Entschleunigung, um ein Rauschen, das nicht aus dem Lärm, sondern vom Schönklang geboren wurde –, aber das Referenzfeld ist viel weiter geworden.

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Akustik-Gitarre und Perkussion setzen Spitzen, die ein Latin-Feeling zwischen Bossa Nova und den Tropikalismen eines Caetano Veloso evozieren. Zugleich haben die beiden Ideen der Fairport-Convention-Schule, des Weird Folks des frühen 20. Jahrhunderts und einem, ja, Düster-Sound mit weitreichenden Hallräumen verinnerlicht. Auf all dem liegt ihr bisweilen beinahe pastoral anmutender Zwiegesang. Und manchmal schwillt all das zu jener Grandezza an, die man von der Geschwisterband kennt, wobei die Grandezza niemals an deren Gitarrenwände erinnert, sondern eher an Renaissancemusik und Kammerpop, am besten erkennbar im gleichzeitig wattig abgefederten und anheimelnd leiernden, am Schluss sogar knarzigen Streicher-Ende von „Lavendeltreppen“.

Ein Rauschen, das nicht aus dem Lärm, sondern vom Schönklang geboren wurde

Wichtig ist, dass die vielgesichtigen Klänge auf diesem Album niemals Selbstzweck sind, sondern stets Leinwände für die kleinen, großen Geschichten der beiden. Mal mag man in denen aus dem echten Leben, aus dem Düsterboys-Leben lesen. „2016“ etwa, gleichzeitig streng repetitiv und wunderbar mäandernd, ist mit Textzeilen wie „Ich will uns beide auf ’nem glatten Cover sehen“ vielleicht ein Ausflug in die Gründungsgeschichte der Band. „Ab und zu“ erzählt von den verschlungenen Zauberpfaden der Ideenfindung und der Bedeutung der gegenseitigen Wertschätzung – und „Schlaf dich aus“ auf eine sehr eigene, dem Wohlklang dann doch den Stinkefinger zeigende Art von der Stadt, vom Aufgedreht- und vom Unterwegssein.

An anderer Stelle muss man sich seine Erzählstränge schon selber knüpfen. Andererseits: Mit den Stichworten, die The Düsseldorf Düsterboys den Hörer*innen aus ihrem vermutlich mit Samt ausgeschlagenen Schmuckkästchen heranreichen, ist das ein großes Vergnügen. Wer bei einem Neologismus to be wie erwähnten „Lavendeltreppen“ nicht sofort große Freude empfindet, lebe weiterhin ohne Kräuter und Gewürze. Wer sich von „Korn auf Korn“ nicht quer durch die Weltgewässer, quer über Straßen, Kiesel, Sand mitnehmen möchte, hatte wohl noch niemals Träume vom Unterwegssein. Und wer bei „Adieu Adieu“, einem Lied des englischen Komponisten William Cornish aus dem 16. Jahrhundert, das von den Düsterboys mit kräftigstem Schlagwerk direkt in die Trommler*innen-Ecke des Stadtparks von Brasilia versetzt wird, nicht mittanzt, lebe weiterhin ohne Beat. Ein im Wortsinne beglückendes Album.


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