The Weather Station
HUMANHOOD
Fat Possum/Membran (VÖ: 17.1.)
Aufstehen! Die Singer/Songwriterin des Stillstands zieht dezent das Tempo an.
„Eigentlich sollte ich doch glücklich sein“, dachte sich Tamara Lindeman, als sie auf dem Boden lag und nicht wieder aufstehen konnte. Mit ihrem Projekt The Weather Station hatte sie 2021 das hochgelobte Album IGNORANCE veröffentlicht, das in fast jeder ernst zu nehmenden Bestenliste oben zu fnden war. Mit HOW IS IT THAT I SHOULD LOOK IN THE STARE erschien sogar noch ein kontemplativer Ableger dieser Platte.
Lindeman hatte einen Weg gefunden, über sich und ihren Sinn für Schönheit mit einer Musik zu erzählen, die wie getupft und geflüstert klang. Wer die späten Talk Talk liebt, verfällt auch The Weather Station. Das Glück war also zu greifen, aber Tamara Lindeman lag am Boden. Auf dem Cover ihrer neuen Platte schaut sie auf sich, wie sie in dieser Zeit war. Die Lieder des Albums handeln davon, wie es damals dazu kam. Und wie es am Ende doch gelang, sich zu erheben.
Weil es also wieder nach oben gehen sollte, ist die Musik auf HUMANHOOD zupackender. Songs wie „Neon Signs“ oder „Windows“ wirken weniger zerbrechlich. Das Titelstück klingt groovy und verspielt, bei „Irreversible Damage” spielt die Band Jazz zu einer ungefilterten Ansprache einer Freundin. Umgarnt werden diese Lieder von kurzen, kammermusikalischen Passagen. Am Ende des Albums findet Tamara Lindeman wieder zur Stillstandsmusik zurück: „Lonely“ ist ein Plädoyer, die Einsamkeit zu ertragen. „Sewing“ gibt die Methode vor, Wunden und Narben zu heilen, mit dem Klang einer Klarinette, den man nicht mehr vergisst.
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